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Sektion München - Bericht zur Vorstellung der AGTU

 

Was macht eigentlich ... die Arbeitsgruppe für Technische Untersuchunegn?

 

Jobst Falkenberg, Mitglied der Sektion München, brachte mit einem Hinweis auf eine "Arbeitsgruppe für Technische Untersuchungen (AGTU)" in Erding den Stein ins Rollen. Als mich Heinz Gerrits, der Leiter der Sektion München, Anfang diesen Jahres dann gefragt hat, ob ich denn diese Arbeitsgruppe irgendwie zuordnen könnte, habe ich erstmals spontan "nein" gesagt. Auch Hinweise wie "die sollen etwas mit Flugunfällen zu tun haben" brachten mich, oder genauer gesagt uns beide, nicht viel weiter.
In einer Broschüre über den Standort Erding anlässlich des Tages der offenen Tür 2006 fand ich dann aber einen ersten Hinweis über eben diese Arbeitsgruppe:
"Die Arbeitsgruppe für Technische Untersuchungen (AGTU) ist eine für die Bundeswehr einzigartige Dienststelle. Sie führt technische Systemanalysen an Zwischenfall- bzw. Unfallteilen durch".

 

Hört sich erstmals sehr interessant an, Heinz Gerrits knüpfte dann Kontakte und so kam es, dass Mitte Juli 2011 vierundzwanzig Mitglieder der Sektion München im Fliegerhorst Erding empfangen wurden, um in die Aufgaben der AGTU eingewiesen zu werden.
Die Arbeitsgruppe ist dem Stab/Luftwaffeninstandhaltungsregiment 1 (LwInsthRgt 1) in Erding und dort dem Sachgebiet 3 (Organisation und Ausbildung) zugeordnet und besteht derzeit aus zwei Offizieren und drei zivilen, technischen Angestellten mit Ingenieurstudium und, nicht zu vergessen, einer weiblichen Mitarbeiterin zur Unterstützung bei den umfangreichen administrativen Tätigkeiten.

 

Um es gleich vorweg zu nehmen, es waren aufschlussreiche und interessante Stunden in Erding bei einem sicher nicht allgemein bekannten, aber wichtigen Baustein des "Team Luftwaffe". An dieser Stelle deswegen auch gleich ein herzlicher Dank an die Mitarbeiter der AGTU, die uns nicht nur durch Folienvorträge, sondern auch durch ausführliche Erklärungen und Erläuterungen in den entsprechenden Laboren ihr anspruchsvolles und interessantes Aufgabengebiet näher brachten. Bleibt nur zu hoffen, dass dieser Bereich von den anstehenden Reduzierungsmaßnahmen im Zuge des Umbaus der Bundeswehr, und damit auch der Luftwaffe, nicht betroffen ist.

 

Die AGTU ist im Bereich der Bundeswehr die einzige Einrichtung dieser Art und daher auch teilstreitkraftübergreifend mit der Untersuchung von Flugunfällen und technischen Zwischenfällen betraut. Es spielt also keine Rolle, ob es sich bei dem verunfallten Luftfahrzeug z. B. um eine F-4 "Phantom" der Luftwaffe, eine MK88A der Marine oder eine Drohne des Heeres handelt.
Zur Erledigung ihrer Aufgaben arbeitet die AGTU bei Bedarf mit verschiedenen militärischen und zivilen Stellen zusammen. Im militärischen Bereich zählen dazu das Luftwaffenamt in Köln-Wahn (LwA) mit der Abteilung Flugsicherheit in der Bundeswehr (Abt FlSichhBw), geführt vom General Flugsicherheit (GenFlSichhBw) und das Waffensystemkommando der Luftwaffe (WaSysKdo Lw), dem auch das Regiment in Erding unterstellt ist. Ebenso gehören dazu die Wehrtechnische Dienststelle 61 (WTD 61) in Manching des Bundesamtes für Wehrtechnik und Beschaffung oder das ebenfalls in Erding angesiedelte Wehrwissenschaftliche Institut für Werk- und Betriebsstoffe (WIWeB). Aber auch die betroffenen Einsatzverbände dürfen an dieser Stelle nicht vergessen werden. Im zivilen Bereich sind die Landeskriminalämter, der TÜV Süd und natürlich auch die Rüstungsindustrie bzw. allgemein die Hersteller verwendeter Bauteile zu erwähnen.

 

Tragische Unfälle mit militärischen Luftfahrzeugen sind zum Glück, gerade auch im Verhältnis zu früheren Jahren, eher selten geworden. Dies hat sicher verschiedene Ursachen. Einerseits wird durch das drastisch reduzierte Flugaufkommen auch die Gefahr natürlich grundsätzlich verringert, andererseits wird die Beherrschung kritischer Flugsituationen immer mehr im Simulator geübt. Aber auch die AGTU trägt einen nicht unerheblichen Teil dazu bei. Durch die Rekonstruktion von Flugunfällen und eine aufwändige Untersuchung verunfallter technischer Komponenten wird versucht, die genaue Unfallursache zu ergründen, um eine Wiederholung des Vorfalls so weit wie möglich zu verhindern. Menschenleben zu bewahren, Einsparung von Kosten und Erhöhung der Flugsicherheit sind hier die Ziele. Wobei hier festzustellen ist, dass sich neben Flugunfällen auch sehr viel mehr Zwischenfälle ereignen. Es handelt sich dabei dann "nur" um geplatzte Reifen, gebrochene Bolzen, verlorene Schrauben und dergleichen.
Allen Teilnehmern wird sicher die Sache mit den Warnlampen eines Flugzeugcockpits in Erinnerung bleiben. So lässt sich anhand der Form der Glühfäden feststellen, ob eine bestimmte Warnlampe zum Zeitpunkt geleuchtet hat oder nicht - ein oftmals erster Hinweis auf die Unglücksursache.

 

Zum Ausklang blieb dann in der OHG des Fliegerhorstes Erding bei einem ausgezeichneten Abendessen und den passenden Getränken noch Zeit zu eifrigen Diskussionen und dem Wunsch, noch einmal wiederkommen zu dürfen.

 

Peter Aigner

 

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