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Faszination Flugzeugwrack - Bericht zur Veranstaltung vom 07.10.2010

 

 


Schiffswracks haben einen speziellen Reiz. Als Wasserfahrzeuge gehören sie in das Medium Wasser, ihr Schicksal auf dem Meeresgrund erscheint daher nicht ungewöhnlich. Ein Flugzeug, gebaut um hoch über den Wolken in der Luft zu fliegen, wirkt Unterwasser jedoch besonders fremdartig und löst so eine besondere Faszination aus. Die Erforschung und Identifizierung dieser Wracks stellt aus mehreren Gründen nur eine Nische im Bereich der klassischen Unterwasserarchäologie dar. Auch aus technisch-historischer Sicht bringen die Untersuchungen meist wenig wichtige neue Erkenntnisse, da es sich bei den Wracks meist um neuzeitliche Relikte aus industrieller Massenfertigung mit bekannter und gut dokumentierter Technologie handelt. Letztendlich sind diese Flugzeuge aber immer eng mit den Geschichten der meist vermissten Besatzungen verbunden, deren genaues Schicksal in vielen Fällen bis heute unbekannt ist. In einigen Fällen kann daher die Untersuchung unbekannter Flugzeugwracks dazu führen, dass man sie vermissten Flugzeugen zuordnen und somit weitere Details zum Schicksal der Besatzungen ermitteln kann. Bedingt durch ihre Konstruktion sind Flugzeuge jedoch nicht besonders robust, daher sind viele in den Jahren seit ihrem Absturz durch die Fischerei, Anker, Bergungen und Korrosion bereits gänzlich vom Meeresgrund verschwunden oder so stark beschädigt worden, dass eine Identifizierung nicht mehr möglich ist. Das Ziel unserer Forschungen ist es daher, die wenigen heute noch vorhandenen Überreste der Flugzeugwracks zu dokumentieren und zu identifizieren, bevor auch ihre Spuren bald für immer verschwunden sein werden. In den letzten Jahren sind mehrere detaillierte Berichte über unsere Forschungen publiziert worden, einige der wichtigsten Projekte werden zusammengefasst in diesem Vortrag vorgestellt.

 

 

Flugzeugwracks in bayerischen Seen

 

Würde man all den Gerüchten und Geschichten der Seeanwohner Glauben schenken, währen so viele Flugzeuge in die bayerischen Seen südlich von München gestürzt, dass diese eigentlich kein Wasser mehr haben könnten und sich ein Turm aus Flugzeugwracks bis zum Himmel erheben würde. Anhand von Unterlagen lassen sich tatsächlich einige Abstürze belegen: Seit 1915 sind über 22 Flugzeuge in die bayerischen Seen gestürzt und meist versunken. Doch trotz intensiver Recherchearbeit und Suche finden sich Unterwasser heutzutage davon fast keine Spuren mehr. Die meisten Wracks sind vom Seegrund verschwunden. Neben der Suche Unterwasser habe ich deshalb seit 10 Jahren auf der einen Seite nach Informationen zur Identität der Flugzeuge und dem Schicksahl ihrer Besatzungen gesucht, auf der anderen Seite auch zum Verbleib der Wracks Forschungen angestellt. Bald zeigte sich, dass es viel einfacher war, eine Zusammenstellung der abgestürzten Flugzeuge zu erstellen, als die Frage zu klären, was mit diesen Flugzeugen seitdem geschehen ist. Bei diesen Recherchen fand ich über die Jahre für fast alle „vermissten“ Maschinen Informationen und Fotos zur Bergung der betreffenden Flugzeuge. Ein besonderer Glücksfall war das Treffen mit dem in der Zwischenzeit verstorbenen Bergungstaucher und ehemaligen Piloten Ludwig Hain. Sein Bergungsunternehmen hatte zwischen 1950 und 1952 systematisch fast alle bekannten Flugzeugwracks geborgen, die ich ergebnislos seit Jahren Unterwasser gesucht hatte. Die Ergebnisse all dieser Forschungen werden im ersten Teil des Vortrags zusammenfassend vorgestellt: Welche Flugzeuge sind in die Seen südlich von München gestürzt, was geschah mit ihrer Besatzung und was mit den Flugzeugwracks. Die für Taucher und Forscher ernüchternde Bilanz: Fast alle Flugzeuge wurden geborgen, die Spuren dieser Ereignisse sind verschwunden.

 

 

Flugzeugwracks im Mittelmeer

 

An den Küsten des Mittelmeers liegen viele bekannte und noch einige unbekannte Flugzeugwracks. Einige dieser bekannten Wracks werden zwar seit Jahren regelmäßig betaucht, dennoch waren bei vielen die Geschichte und die Hintergründe der Abstürze bis heute unbekannt. Aufgrund der langjährigen und intensiven Zusammenarbeit mit französischen Tauchern, Forschern und Historikern liegt der Schwerpunkt des Vortrags hier bei der Untersuchung verschiedener Wracks an der südfranzösischen Mittelmeerküste und ihrer Geschichte. Ein besonderes Highlight bei diesen Forschungen war die Zusammenarbeit mit Luc Vanrell, der die Überreste der P-38 von Saint-Exupery nahe der Insel Riou bei Marseille gefunden hatte. Seit dem spurlosen Verschwinden des berühmten französischen Schriftstellers und Piloten vor über 60 Jahren wurde lange und intensiv geforscht und die verschiedensten Hypothesen aufgestellt. Zur Klärung seines Schicksals war neben dem Fund seines Armbands und der Überreste seines Flugzeugs paradoxerweise die Existenz eines deutschen Flugzeugmotors im Trümmerfeld der P-38 ein wichtiger Schlüssel zur Lösung. Zusammen mit anderen Forschern konnten wir bei unseren Untersuchungen und Recherchen nicht nur das Schicksal des vermissten deutschen Jagdfliegers Prinz zu Bentheim aufklären, sondern auch die heute umfangreichste und wahrscheinlichste Theorie zu dem letzten Flug von Antoine de Saint-Exupery aufstellen und mit neuen Informationen und Dokumenten fast lückenlos belegen: Den Abschuss der P-38 von Antoine de Saint-Exupery durch einen deutschen Jagdflieger am 31.07.1944.

 

 

Zum Autor und Referenten:

 

Lino von Gartzen, geboren 1973 in München lebt am Starnberger See. Hier begann sowohl die Leidenschaft für das Tauchen wie auch das Interesse zur Erforschung des Sees und die historische Forschung zu versunkenen Flugzeugen im Mittelmeer. In der Freizeit arbeitet er für die Bayerische Gesellschaft für Unterwasserarchäologie und für den Arbeitskreis Geschichte des Werftvereins in Oberschleißheim, die hauptberufliche Tätigkeit ist die Entwicklung von Strategien zur Patentrecherche.

 

 

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P-38StExupery_Luc_Vanrell

 

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