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Besuch bei der Luftlande-/ Lufttransportschule in Altenstadt am 9. Sept. 2009

Am 09. September 2009 besuchte die Sektion München unter Leitung von Heinz Gerrits die Luftlande-/Lufttransportschule der Bundeswehr in Altenstadt.

Unter sachkundiger Führung von Oberstleutnant Jürgen Walter konnten die rund 20 Teilnehmer des Freundeskreises Luftwaffe unter anderem "Überlebenstraining", "Abseilübungen" und "Gewässerüberquerungen" der jungen Rekruten des Sanitätsdienstes am Halblech ansehen. Anschließend weiter zum Mittagessen in den "Sauwaldhof": das Haus für die Briefings und theoretischen Unterrichtungen.

Weiter ging es in das offene Trainingsgelände: Biwak der Gruppen unter aufgespannten Fallschirmen, eine Radarstellung sowie ein Hubschrauberrelikt UH-1D zum Training von Bergung von abgesprungenen Piloten.  Der rundum gelungene Tag endete in der Kaserne in Altenstadt. Zum einen wartete eine hervorragend instandgesetzte "Nora" (Vorgängerflugzeug der Transall) auf Besichtigung, zum anderen das Training zum Fallschirmspringen aus dem sog. Sprungturm. Fallschirmsprung in Perfektion zeigte dann noch die Bundeswehrsportgruppe.

Die Sektion München bedankt sich insbesondere bei OTL Walter für den perfekten Tag und auch für die folgende Beschreibung der LL/LTS, wie die Schule im Fachjargon heisst.

Rund 90 Bilder sind hier zu bestaunen.

 

 

 

 

Von OTL Jürgen Walter

Überlebensausbildung an der Luftlande- und Lufttransportschule in Altenstadt

 

 

Wer denkt schon an Unfälle oder unerwartete Ereignisse die lebensbedrohlich sein könnten. Aber Unfälle passieren und um das Personal der Streitkräfte in die Lage zu versetzen, mit solchen unvorhergesehenen Ereignissen fertig zu werden und wieder heil und gesund nach Hause zu kommen, werden in der Bundeswehr Lehrgänge mit dem Inhalt „Überleben" durchgeführt. Je nach Zielsetzung, Klientel oder klimatischen Bedingungen, werden Bundeswehrangehörige im Marinefliegergeschwader 3 in Nordholz, der Gebirgs- und Winterkampfschule in Mittenwald der Infanterieschule in Hammelburg und am Ausbildungszentrum Spezialisierte Kräfte in Pfullendorf, sowie der Luftlande- und Lufttransportschule (LL/LTS) in Altenstadt ausgebildet.

Überlebensausbildung an der Luftlande- und Lufttransportschule in Altenstadt wird in der VI. Inspektion - einer Luftwaffeninspektion - durchgeführt. Hier werden Wochenlehrgänge für die Offizieranwärter der Luftwaffe und des Sanitätsdienstes der Bundeswehr angeboten, in denen die Lehrgangsteilnehmer eine Führerausbildung unter Belastung absolvieren und Überlebenstechniken in Not- oder Extremsituationen erlernen. Das Hauptaugenmerk liegt hier jedoch bei der Führerausbildung.

Die eigentliche Überlebensausbildung in der VI. Inspektion der LL/LTS in Altenstadt jedoch, wird für die Luftfahrzeugbesatzungsangehörigen der Bundeswehr durchgeführt. Eine fliegende Besatzung weiß nicht, wann und wo eine Notlage eintritt und wie sie enden wird. Wohl kann man sich mental darauf vorbereiten, nur tritt sie meist überraschend ein. Zudem ist die Notausrüstung vorgegeben und der Survivor muss mit dem auskommen, was er am Mann oder im Luftfahrzeug mit sich führt. Dies kann je nach Luftfahrzeugtyp sehr wenig sein. Unabhängig von den Rahmenbedingungen Frieden oder Krieg, Wüste oder Hochgebirge, für die Besatzung gilt nur eins, der Einsatzauftrag ist beendet und der einzige Ziel lautet: Überleben.

Die Ausbildung der VI. Inspektion LL/LTS ist so gegliedert, dass die Inhalte dem Einsatzstatus des Besatzungsangehörigen angepasst sind. Die Lehrgänge sind daher zeitlich und inhaltlich gestaffelt und für das jeweilige Klientel (Jet-, Hubschrauber- oder Propellerluftfahrzeugbesatzung) optimiert. Die Lehrgangsdauer umfasst für jeden Lehrgang 2 Wochen und ist damit so bemessen, dass der Lehrgangsteilnehmer nur so lange von seiner Einheit abwesend ist, wie unbedingt erforderlich. Die zeitliche Staffelung bringt zudem einen gewissen Wiederholungseffekt, der sich als vorteilhaft erwiesen hat. So ist z.B. der Grundlehrgang „Überleben Land" am Ende der fliegerischen Ausbildung angesiedelt und der Lehrgang für besonders gefährdetes fliegerisches Personal vor/mit Zuerkennung des Einsatzstatus „Combat Ready (CR)" zu absolvieren. Die Lehrgänge werden für Besatzungsangehörige aller Teilstreitkräfte angeboten. Das bedeutet, Lehrgangsteilnehmer sind z.B. Hubschrauberbesatzungsangehörige der Luftwaffe des Heeres oder der Marine, Jetbesatzungen der Luftwaffe, Fliegende Besatzungsangehörige des NATO E3A-Verbandes oder auch Flugbegleiterinnen der Flugbereitschaft des BMVg. Das gesamte Spektrum des Fliegerischen Dienstes der Bundeswehr wird abgedeckt.

Die Lehrgänge im Einzelnen:

Grundlehrgang „Überleben Land"

Wie der Name bereits sagt, werden hier die Grundkenntnisse für das Überleben vermittelt. Da das Überleben im Kopf beginnt, wird der Lehrgangsterilnehmer eingehend mit den Stressfaktoren und möglichen emotional Reaktionen die sein Handeln und damit seine Überlebenschancen beeinflussen können, vertraut gemacht. Die Einweisung in die Handhabung und den Gebrauch der Notausrüstung findet angepasst nach Teilstreitkraft und Luftfahrzeugtyp statt. Im weiteren Verlauf des Lehrganges lernen die Lehrgangsteilnehmer das Orientieren im Gelände mit Hilfe des Notkompasses, das Bewegen in schwierigem Gelände (Abseilen, etc), den Bau von Behelfsunterkünften, das Anlegen von Feuerstellen und das Gewinnen von Wasser und Nahrung aus der Natur. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Selbst- und Kameradenhilfe und natürlich das Herbeirufen von Hilfe mittels Notsignalen oder -zeichen. Die erste Woche der Ausbildung wird in der Kaserne in Hörsälen oder ortsnahen Ausbildungseinrichtungen absolviert, bevor es in der zweiten Lehrgangswoche an die praktische Anwendung im Gelände geht. Die erste Nacht verbringt der Survivor allein in seiner selbst gebauten Notunterkunft, danach werden die Lehrgangsteilnehmer in Besatzungsstärke zusammengefasst und bauen eine Gemeinschaftsnotunterkunft. In dieser „Außenwoche" werden u.a. Fallen bebaut, Fisch und Hase geschlachtet, Kräuter, Beeren und sonstige essbaren „Genüsse der Natur" gesammelt, Signalfeuer hergestellt und in der Notausrüstung vorhandene Signalmittel eingesetzt. Am Ende steht die Bergung mit einem Hubschrauber, der die Survivor aufnimmt, in die Kaserne zurückfliegt und damit die Rettung simuliert.

 

Lehrgang für besonders gefährdetes fliegendes Personal der Bundeswehr

Einer der wichtigsten und zugleich anspruchsvollsten Lehrgänge ist der Combat Survival and Resistance to Interrogation Lehrgang (CSI). Dieser Lehrgang macht die Besatzungen fliegender Waffensysteme mit den Verfahren des bewaffneten Such- und Rettungsdienstes (CSAR) vertraut, um in einer Notlage unter Bedrohung (z.B. Notlandung im Feindgebiet) gerettet zu werden. Anders als im normalen Such- und Rettungsdienst, hängt der Erfolg einer Rettungsoperation sehr stark vom richtigen Verhalten des zu Rettenden ab. Der kleinste Fehler kann die gesamte Operation zum Scheitern bringen. Der theoretische Anteil des Lehrganges befasst sich mit den Verfahren gemäß der NATO-Vorschriften und der Einweisung in die richtige Handhabung des Notfunkradios und des Global Positioning System (GPS). Im Anschluss werden die Fluchtphasen gelehrt, bevor sie abends praktisch geübt werden. Dabei erhalten die Lehrgangsteilnehmer auch eine Einweisung über die Möglichkeiten von Nachtsichtgeräten und Wärmebildkameras. Einen weiteren Schwerpunkt der Theorie in der ersten Lehrgangswoche bildet die psychologische Ausbildung und der Rechtsunterricht in Bezug auf das Thema Gefangenschaft und „Widerstand gegen Befragung". Während der praktischen Ausbildung in der Folgewoche, werden die Lehrgangsteilnehmer wiederum in ein Übungsgebiet verbracht, indem sie die gelernte Theorie in die Praxis umsetzen müssen. Hierbei wird die Notlandung bzw. der Notabsprung über unfreundlichem/feindlichem Gebiet simuliert. Erschwert wird das Ganze durch eingesetzte „Feindkräfte", vor denen sich die Lehrgangsteilnehmer zu verstecken haben. Der Survivor hat den Auftrag, sich möglichst schnell mittels des Notfunkradios mit freundlichen Kräften in Verbindung zu setzen und auf seine Situation aufmerksam zu machen. Dabei soll er aber möglichst viel Distanz zwischen sich und der „Landestelle" bringen, einen geeigneten Hubschrauberlandeplatz für die Aufnahme erkunden und seine Position mittels aktueller Authentisierungsverfahren an Rettungskräfte weiterleiten. Bei Einbruch der Nacht erfolgt bei richtigem Verhalten des Survivors die Rettungsaufnahme mittels Hubschrauber. Damit ist die Übung jedoch noch nicht beendet, denn nach einem simulierten Abschuss des Rettungshubschraubers hat sich der Lehrgangsteilnehmer erneut für 2 Nächte und einen ganzen Tag den Feindkräften zu entziehen. Hierbei kommen seine erlernten Fähigkeiten aus dem Bereich „Überleben" zur Anwendung. Nach einer erneuten Rettungsaufnahme durch freundliche Kräfte mit Fahrzeugen, geraten diese in einen Hinterhalt und die Lehrgangsteilnehmer werden gefangengenommen. Ohne Ruhepause gehen sie in eine Befragungsübung, in denen sie Befragungsarten ausgesetzt werden und Techniken anwenden sollen, die Preisgabe von Informationen zu vermeiden oder zumindest zu verzögern. Nach der langen Übungsphase stellt dieser Ausbildungsabschnitt eine sehr hohe physischen und insbesondere psychische Belastung dar. Ziel ist es, dass der Lehrgangsteilnehmer seine Grenzen erkennt und kennenlernt, wie Nachrichtendienste bei Befragungen vorgehen um Informationen zu gewinnen. In einer ausführlichen Nachbesprechung zwischen „Befrager" und Lehrgangsteilnehmer werden ihm seine Fehler und Möglichkeiten des Widerstandes gegen Befragung aufgezeigt.

 

Die Überlebenslehrgänge der VI. Inspektion Luftlande- und Lufttransportschule können nicht das gesamte, mögliche Spektrum dieses Themenbereichs abdecken. Insbesondere die Ausbildung in Klimazonen wie Dschungel, Wüste, Sumpf, Hochgebirge etc., lässt sich in Altenstadt nur schwer darstellen. Die Überlebensausbilder der VI. Inspektion haben aber die Kenntnisse und Erfahrungen aus diesen Bereichen durch diverse Lehrgänge im Ausland. Wenn Einsätze von Luftfahrzeugbesatzungsangehörigen der Bundeswehr in diesen Klimazonen geplant werden, reisen die Ausbilder aus Altenstadt in die Verbände und geben ihre Kenntnisse in einer theoretischen Kurzausbildung zur Vorbereitung der Besatzungen weiter.

Wie unschwer zu erkennen ist, ist die Überlebensausbildung sehr vielschichtig und einem laufenden Anpassungsprozess unterworfen. Dies ist auch erforderlich, wenn man erreichen will, dass unsere Fliegenden Besatzungen gut vorbereitet in den Einsatz gehen und wieder unbeschadet nach Hause zurück kommen sollen.