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Bericht aus der Sektion München

Neuer Flugsimulator beim
Flugmedizinischen Institut der Luftwaffe ( FMI )

 
 
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Das alte System FPS 80

Seit 2002 können sich auch Frauen für alle Laufbahnen in der Bundeswehr bewerben. Für den Fliegerischen Dienst haben sie, wie ihre männlichen Kameraden auch, drei Phasen erfolgreich zu durchlaufen, bevor sie in ein Flugzeugcockpit steigen und die ersten "Luftsprünge" ihrer Karriere zur Militärpilotin machen dürfen. Die erste Hürde für künftige Militärpiloten stellt die Phase I dar, ein Klassifikationsverfahren bei der Offizierbewerberprüfzentrale (OPZ) und für Unteroffiziere an den Zentren für Nachwuchsgewinnung (ZNwG). Eine fliegerpsychologische Erstuntersuchung bei der Abteilung Flugpsychologie am FMI in Fürstenfeldbruck folgt als Phase II. Sie dauert zwei Tage und wird bei festgestellter Eignung verlängert, um vor Ort bei der Abteilung Klinische Flugmedizin eine Erstuntersuchung auf Wehrfliegerverwendungsfähigkeit durchzuführen. Taugliche Bewerber für Hubschrauber werden dann nach Bückeburg und Kandidaten für Flächenflugzeuge erneut nach Fursty für die Phase III eingeladen. Diese letzte Phase der Eignungsfeststellung findet bei der Abteilung Flugpsychologie statt und dauert vier Tage. Neben einer theoretischen Grundlageneinweisung in Aerodynamik, Instrumentenkunde und Navigation sowie nachfolgenden Wissensüberprüfungen werden vier Simulatorflüge durchgeführt, die den eigentlichen Kern der Eignungsfeststellung darstellen. Seit 1987 steht dafür in Fürstenfeldbruck das Fliegerpsychologische System 80 (FPS 80) zur Verfügung. Diese Anlage besteht aus zwei Steuerkonsolen, die jeweils mit zwei Cockpits verbunden sind. So ist ein Parallelbetrieb mit überlappendem Einsatz möglich. Die Ausstattung wie Steuerknüppel und Bedienhebel sind ausgemusterten Fiat G. 91 Kampfflugzeugen entnommen worden. Das zweidimensionale Gelände wird auf drei Bildschirmen dargestellt, wobei im unteren Teil des mittleren Bildschirms die Flugüberwachungsinstrumente eingeblendet sind. Mit Hilfe des FPS 80 können rund 240 Anwärter des Fliegerischen Dienstes getestet werden, wobei die maximale Auslastung bei sechs Probanden pro Woche gegeben ist. Während ein Prüfstabsoffizier mit langjähriger fliegerischer Erfahrung die theoretische Unterrichtung durchführt, steuern vier teilzeitbeschäftigte Flugsimulatorlehrer das FPS 80. Sie sind als ehemalige Militärpiloten mit Fluglehrberechtigungen Zivilbedienstete beim FMI, weisen die Probanden in die Missionsdetails ein und geben in den Übungsphasen der Simulatorflüge bei Bedarf Hilfestellungen, bevor sie dann in den Testphasen zusammen mit einem  Psychologen die Leistungen der Probanden bewerten.

   
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  Der alte Flugsimulator FPS 80 war seit 1987 in Betrieb und wurde wegen der veralteten Technik und zweidimensionaler Geländedarstellung im Sommer 2008 außer Betrieb genommen
 


Das neue System FPS/F
Da das FPS 80 aus den Anfängen der 80er Jahre stammt und die Technik nicht modernisiert werden kann, beschaffte die Luftwaffe vor kurzem ein neues System auf der Basis heutiger Technologie. Die Struktur und die Missionsprofile des alten Systems haben sich für die Eignungsfeststellung bewährt, wurden deshalb beibehalten und auf das neue System übertragen. Die Vorflugbestrechung ist nun durch Abspielen eines Musterflugvideos möglich. Die Erdoberfläche wird mit Hilfe einer Beameranlage dreidimensional auf eine gekrümmte Fläche projiziert, die dem menschlichen Blickfeld angepasst ist. Die Daten der Simulatorflüge und das Videobild der Bewerber werden gespeichert und stehen unmittelbar nach Beendigung der Mission für ein individuelles Debriefing zur Verfügung. Die Flugüberwachungsinstrumente entsprechen dem heutigen Standard eines "Glascockpits". Über einen zentralen Bildschirm, dem Multifunktionsdisplay (MFD) kann der Bewerber alle wichtigen Werte ablesen. Ferner werden durch das Berühren von Tasten Untermenüs aufgerufen und Daten eingegeben. Beim abschließenden Tiefflug stehen dem Probanden einige Daten in Form eines Headup-Displays zur Verfügung, die in die Frontscheibe projiziert werden.

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Eins von vier Cockpits
Ein Bewerber im Simulator MFD (Multifunctional Display)

Die Missions
Bewerber für den fliegerischen Dienst in der Bundeswehr haben in der Phase III in vier Simulatorflügen ihre Eignung für eine anspruchsvolle Tätigkeit im Cockpit eines Militärflugzeugs unter Beweis zu stellen. Die einzelnen Flüge dauern zwischen ein bis zwei Stunden und bestehen aus drei Phasen. Zu Beginn wird dem Probanden ein Musterflug vorgeführt und verbal erläutert. Danach kann er in der Übungsphase das geforderte Flugprofil selbstständig durchführen, wobei er bei Bedarf vom Flugsimulatorlehrer an der Steuerkonsole unterstützt wird. In der unmittelbar danach folgenden Testphase bewertet dann das Prüfpersonal bestehend aus einem Psychologen und einem Flugsimulatorlehrer seine fliegerischen Fähigkeiten und Fertigkeiten. Die einzelnen Missions bauen aufeinander auf, wobei am vierten Tag in einem komplexen Flugprofil mehrere taktische Flugaufgaben erfüllt und Notlagen gemeistert werden müssen. Die Eignungsfeststellung im FPS/F beginnt mit einem Eingewöhnungsflug. Der Bewerber startet vor einer Flugzeughalle, rollt dann zur Startbahn und hat nach einem Steigflug auf 1000 Fuß Höhe mehrere Übungen unter präziser Einhaltung von vorgegebenen Parametern durchzuführen. Die Mission 2 besteht aus mehreren Platzrunden, wobei im Anflug auf die Landebahn eine optische Gleitweganzeige eingeblendet wird. Der Fortgeschrittenenflug am dritten Tag ist vom Profil her an die Jagdfliegerei angelehnt. Nachdem der Proband das Flugzeug aus extremen Fluglagen in den Reiseflug zurückgeführt hat, fliegt er hinter einem Flugzeug her, um dann gegen Ende der Mission bei Abschussübungen mit steigenden Anforderungen seine "Richthofen" - Qualitäten unter Beweis zu stellen. In der letzten Mission muss der Bewerber ohne vorherige Demonstrations- und Übungsmöglichkeiten im Simulator eine vorgegebene Strecke in 500 Fuß Höhe und mit einer Geschwindigkeit von 150 Knoten abfliegen. Dabei werden ihm Aufgaben und Notlagen eingespielt, die er selbständig ohne Fremdunterstützung zu lösen hat. Das Prüfpersonal an der Konsole bewertet die einzelnen Abschnitte der Missions nach einem 7-stufigen Zahlensystem. In Anlehnung an die Schulnoten reicht die Skala von 1 für sehr gute bis 7 für ungenügende Leistungen.

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Über der Operationsbase Alpha
 Das fiktive Propellerflugzeug
 Rückenflug hinter Eurofighter

 

Die Bewertungskriterien
Nach vier Tagen kommen die Mitarbeiter der Fachgruppe Eignungsfeststellung Phase III zu einer Auswahlkonferenz zusammen. Gemeinsam bewerten sie die einzelnen Probanden nach folgenden Merkmalen:
•    Aufmerksamkeitsverteilung
•    Um- und Übersicht
•    Mehrfacharbeit
•    Handlungsentschiedenheit
•    Belastbarkeit
•    Konzentration
•    Automatisierungsschnelligkeit
•    Stressverarbeitung
•    Toleranz gegenüber
•    Misserfolgen
•    Motorische Koordination
•    Leistungsbereitschaft
•    Vorbereitung und Verfahrenskenntnisse
•    Funksprechverkehr
•    Übungsfortschritt
In mehrheitlicher Abstimmung werden dann die Bewerber des fliegerischen Dienstes in Eignungsgruppen eingeteilt: A = besonders geeignet, B = gut geeignet, C = geeignet und D = bei Bedarf geeignet. Nicht geeignete Bewerber erhalten die Kategorie U = ungeeignet - für sie ist der Traum vom Fliegen geplatzt. Für geeignete Bewerber werden zudem der personalbearbeitenden Dienststelle im Verteidigungsministerium Vorschläge für eine künftige fliegerische Verwendung gemacht, wie z. B. Jetpilot, Transportflugzeugführer oder Waffensystemoffizier.

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Ein Flugsimulatorlehrer und ein Bewerber bei der Nachbesprechung an der Debriefingkonsole

Abschließende Bemerkungen
Das FPS/F ist ein Flugsimulator der neuesten Generation und ist für die psychologische Testung mit den Leistungen eines schnellen Propellerflugzeugs programmiert. Im System sind aber auch zwei weitere Flugzeugtypen integriert, die Jetflugzeugmuster Hawk und Albatros. Bei Bedarf kann vor Ort sehr rasch eine Umprogrammierung von Inhalten der Simulatorflüge oder an der Geländedarstellung durchführt werden sowie ein eingebauter "Sidestick" aktiviert werden. Das FPS/F unterstützt den Zweck der Eignungsfeststellung von Probanden in hervorragender Weise: Feststellung der geistigen, charakterlichen und fliegerischen Eignung von Bewerbern und Bewerberinnen in Hinblick auf einen Erfolg der Ausbildung für die spätere Verwendung im fliegerischen Dienst der Bundeswehr!


Autor: Harald Meyer, Fotos und Grafiken: FMI und Harald Meyer