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Leserbrief Schweizer Aviatiktage 2008

Reisebericht über den Besuch der Veranstaltung
des Freundeskreises Luftwaffe e.V.
"Schweizer Aviatiktage 2008" vom 27. bis zum 28. April 2008



Viele aus unserer Gruppe von nun schon 50 Teilnehmern waren bereits mehrfach bei den Schweizer Aviatiktagen dabei, aber diesmal waren erfreulich viele neue Gesichter zu sehen. Einige quartierten sich schon am Vortage in dem von dem Organisator der "Schweizer Aviatiktage", Herrn Constantin Hürlimann, ausgesuchten Hotel "Hasenstrick" ein. Das Hotel befand sich in wunderschöner Lage am nordöstlichen Rand des Zürichsees auf den Hügeln des Zürcher Oberlandes, genauer gesagt auf dessen Hausberg, dem Bachtel.

Es war ein sehr angenehm geführtes Hotel mit einer einzigartigen Fernsicht auf den Zürichsee mit der Stadt Zürich und mit schneebedeckten Gipfeln am Horizont. Nachts präsentierte sich die Stadt Zürich als ein beeindruckendes Lichtermeer, das sich zigtausendfach im Zürichsee spiegelte. Eine weitere Besonderheit des Hotels war der hauseigene Flugplatz: eine gepflegte Rasenpiste, die als eine große Stufe bereits in den 1930er Jahren neben dem Hotel angelegt wurde.

Wie üblich begann am Sonntag, dem 27. April 2008, der Tag mit einer freundlichen Begrüßung aller Teilnehmer im großen Saal des Hotels. Mittels eines Beamers erläuterte Constantin Hürlimann die Lage des Hotels in der Schweiz und berichtete über geschichtliche Ereignisse sowie Persönlichkeiten, die für die Schweiz und für die Region, in der wir uns befanden, aber auch für unser Veranstaltungsprogramm eine Rolle spielen sollten.

Nach der Begrüßung wurden wir auf die Hotelvorfahrt gebeten, wo bereits drei "Monotracer" der Firma Peraves (übersetzt: "den Vögeln gleich") aus Winterthur nebst Fahrer auf uns warteten. Ein Monotracer ist ein langgestrecktes, vollkommen geschlossenes Kabinenmotorrad mit Überrollschutzbügeln, Schalensitzen, ABS und ESP mit einem 85 KW /115 PS Motor aus einer BMW K 1200. Der Cw-Wert beträgt 0,18 (zum Vergleich: Smart 0,70 oder Porsche Cayman 0,66). Die Höchstgeschwindigkeit beträgt ca. 240 km/h. Ein Helm wird wegen der großen passiven Sicherheit des Fahrzeugkonzeptes nicht getragen. Mit diesen futuristisch anmutenden Fahrzeugen konnten wir an diesem Tag sooft wir wollten kleine Testfahrten in die Umgebung machen.

Gleichzeitig wurden auf dem Hotel-Flugplatz zwei viersitzige Morane-Tiefdecker-Flugzeuge bereitgestellt.  Mit diesen flogen wir jeweils etwa 20 Minuten lang über alle erreichbaren schneebedeckten Gipfel der Umgebung, ein außerordentliches Erlebnis!

Nachdem jeder "in die Luft gegangen" ist und sich von der sehr wohlschmeckenden Hotelküche hat verpflegen lassen, ging es abends wieder in den Vortragssaal. Es erschien nun ein besonderer Gast: kein geringerer als der Chef der Patrouille Suisse höchstpersönlich: Kommandant Dani Hösli. Er berichtete über die Aufgaben der Schweizer Kunstflugstaffel als Botschafter der Schweiz, über Aufenthalte im Ausland und über die Auswahl der Bewerber ("Das Fliegen bringen wir ihm notfalls schon bei, er muss aber charakterlich ins Team passen."). Anschließend wurde der Film "Grande" gezeigt, der das Kunstflugprogramm der Patrouille Suisse anschaulich darstellte. Ein besonderer Höhepunkt war die Verlosung eines Fluges in der Pilatus  PC-6  Porter mit dem Namen "Felix", der Maschine von Dani Hösli, am Montag. Die Gewinnerin war Desiree Seelmann. Als Anerkennung für besondere Leistungen für die "Schweizer Aviatiktage" durften am Montag ebenfalls Jürgen Halbreder, Peter Heisig, Heinz Gerrits und Heinrich Zielmann mitfliegen. 

 

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 OTL Dani Hösli, Kommandant
" Patrouille Suisse "
 Die Teilnehmer der
" Schweizer Aviatiktage 2008 "
 Constantin Hürlimann,
Organisator Aviatiktage


Am Montag ging es bereits um 8:10 Uhr mit einem sehr schönen historischen Reisebus der Marke FBW zu unserem nächsten Ziel. FBW bedeutet "Franz Brozincewic Wetzikon", ein namhafter Hersteller Schweizer LKWs und Busse, der sogar an Henschel eine Lizenz vergab. Brozinzewic war gebürtiger Kroate, der durch die Konstruktion eines bedarfsgerechten und leistungsstarken Busses für die Schweizer Post wirtschaftlichen Erfolg hatte und sich in der Schweiz niederließ. Er war uns bereits durch die Vorstellung Schweizer Pioniere durch den Vortrag von Constantin Hürlimann am Sonntag bekannt.

Gegen 9:20 erreichten wir den Flugplatz Wangen-Lachen am Zürichsee. Kurze Zeit später schwebte Dani Hösli mit seiner rot-weiss lackierten Pilatus PC-6 Porter ein. Nun kam langsam Nervosität auf, denn es war klar, dass mit der Ankunft des Kommandanten auch die Staffel der Patrouille Suisse, deren Kunstflugtraining wir hier beobachten wollten, nicht mehr fern sein konnte. Dani Hösli stieg aus seiner Maschine und ging schnellen Schrittes direkt auf die den Flugplatz umschließende Zufahrtstraße, wo sich bereits ca. 1000 Zuschauer befanden. An einer Gruppe von Mitgliedern des Freundeskreises Luftwaffe hielt er plötzlich an. "Hier könnt Ihr nicht gut sehen, kommt mal mit nach hinten.". Wir folgten ihm bis etwa 50 Meter rechtwinklig von der Landebahn entfernt. Dort blieb Dani Hösli mit Blick auf Landebahn und Zürichsee stehen. Er schaute in die inzwischen mit Presseleuten und weiteren Zuschauern angewachsene Runde. "Also, ich habe hier ein Funkgerät in der Hand. Damit kommuniziere ich mit meinen Jungs und teile ihnen mit, was sie besser machen können. Außerdem nehme ich mit einer Videokamera das ganze Trainingsprogramm auf, damit ich es später mit den Piloten analysieren kann." Beeindruckt schwiegen die Zuschauer. Als ob er geahnt hätte, was alle dachten, sagte Dani Hösli: "Noch eine Minute".  Alle schauten in den Himmel, nichts war zu sehen. "30 Sekunden". Ja, wo denn bloß, dachten wohl alle. "10 Sekunden".  Plötzlich, auf die Sekunde, bretterten von links mit ohrenbetäubendem Sound sechs F 5 Tiger-Jets im Tiefflug direkt vor unserer Nase vorbei um sofort in den Steigflug zu gehen. Wie zum Gruß an die Zuschauer wurde ein perfekter Looping beschrieben.
Danach ordnete sich die Formation rasch neu und bildete ein Dreieck, dessen Basis nach vorne zeigte. Wunderschön leuchtete das weiße Schweizer Kreuz auf der rot lackierten Unterseite der Flugzeuge. Dani Hösli redete knapp und bestimmt in sein Funkgerät: "90 Grad, nicht 80…ja…so isch guet!" Schnell stiegen zwei einzelne Jets in den Himmel und beschrieben mit einer durch Öleinspritzung erzeugten Rauchfahne ein großes Herz.

Dann näherten sich von rechts im Langsamflug fünf Jets mit ausgefahrenem Fahrwerk, drei oben nebeneinander, links und rechts noch jeweils ein weiterer Jet darunter-was soll das bloß heißen? Doch dann schnellte von links ein Jet entgegen und flog in das dargestellte Fußballtor. "Goal" hieß die Figur, natürlich als Anspielung auf die in diesem Jahr vom 7. bis 29. Juni in Österreich und der Schweiz stattfindende Fußball-EM, dieses Tor sei den sympathischen Schweizern gegönnt!

Soweit möglich kündigte Dani Hösli die Kunstflugfiguren sogar für die Zuschauer an. Nach einer halben Stunde war dann das beeindruckende Programm beendet. Spontaner Applaus brandete auf und der Kommandant verabschiedete sich von den Zuschauern. Nun holte Hösli seine kleine Gruppe Fluggäste vom Freundeskreis  Luftwaffe ab und flog mit ihnen in der Pilatus PC-6 Porter nach Emmen, wo die Patrouille Suisse stationiert ist.  Der Rest der Gruppe folgte mit dem Bus und schaute sich die Landschaft auf Höhe Null an. Constantin Hürlimann unterhielt die Gruppe durch zahlreiche Beschreibungen von Sehenswürdigkeiten.

 

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 Gruppenbild der Piloten
 Leader der Patrouille Suisse  Debriefing des Trainings


Auf dem Flugplatz Emmen wurden wir in den Besprechungsraum der Staffel gebeten. Jetzt folgte das Debriefing, also die Trainingsauswertung. Der Kommandant stellte uns zunächst nacheinander alle Piloten vor und ließ dann sein Video laufen. Obwohl Hösli jede Feinheit entdeckt hatte, war es ein sehr gelungenes Training. Anschließend wurden wir zu einem Flugzeughangar geführt. Dort befand sich eine F 5-Tiger wie wir sie kurz zuvor am Himmel gesehen hatten. Die Cockpitkanzel war geöffnet und an die Seite war eine Metallleiter gelehnt. "Wenn Sie wollen, können Sie einsteigen!" hieß es. Das ließen sich die Mitglieder des Freundeskreises Luftwaffe nicht zweimal sagen. Besonders freundlich war, dass sich Hösli und seine Piloten mit großer Geduld immer wieder für Fotos mit den Teilnehmern vor dem Jet aufstellten.

Für das leibliche Wohl wurde ebenfalls gesorgt: in der Halle waren Bierzelttische und Bänke aufgestellt und man konnte aus einem original Schweizer Armee-Essgeschirr, der "Gamelle", einen wohlschmeckenden Eintopf mit Fleischbeilage essen. Als Dessert gab es Kirschtorte. Wie selbstverständlich setzten sich Kommandant und Piloten zu uns und kamen vor lauter Fragenbeantworten kaum selbst zum Essen.

Nach dem obligatorischen Gruppenfoto vor der F-5, das die Piloten auch noch freundlicherweise mit unseren Kameras schossen, mussten wir uns langsam wieder auf den Rückweg machen. Stellvertretend für die Staffel erhielt Dani Hösli eine original bayerische Präsenttüte und eine Kiste guten deutschen Weines, die von Jürgen Halbreder gestiftet wurde. Jeder war von der Gastfreundschaft der Staffel beeindruckt und hatte das Gefühl, mit einem großen Privileg beschenkt worden zu sein. Heinz Gerrits, Leiter der Sektion München, und Constantin Hürlimann bedankten sich ausdrücklich für alle Teilnehmer. 
Auf der Rückfahrt fand dann gegenüber dem unermüdlichen Constantin Hürlimann die "Verdankung" statt. Jetzt war er, der Erfinder der Schweizer Aviatiktage, die Hauptperson. Heinz Gerrits fand die passenden Worte, um die enorme Vorarbeit und die gute Organisation zu würdigen. Die Teilnehmer hatten wieder einmal zahlreiche schöne und neue Eindrücke gewonnen.

Abends wurden im Hotel noch viele Adressen ausgetauscht und die Tage klangen sehr angenehm aus. Der Freundeskreis Luftwaffe, unter dessen Überschrift die "Schweizer Aviatiktage" jedes Jahr stattfinden, hatte wieder neue Freunde gewonnen. Am 3. und 4. August 2008 wird es wegen der vielen Anmeldungen einen ähnlichen Anlass auch mit dem Besuch des Kunstflugtrainings der Patrouille Suisse geben.

Für die sehr gute Organisation und die vielen Eindrücke in der schönen Schweiz nochmals herzlichen Dank an Constantin Hürlimann! Ich freue mich schon auf das nächste Mal!

Text : Ralf Karasch, Berlin
Fotos: Heinz Gerrits, Baldham

 

PS: weitere Fotos von den Aviatiktagen in unserem Bildarchiv