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Sektion Dresden - Bericht der Veranstaltung vom 20.10.2011
Bericht zur Veranstaltung vom 20.10.2011 in Dresden zum Thema "Einfluß der Sowjetuinon auf die Einstellung der DDR-Luftfahrt im März 1961"
Zu diesem hochinteressanten Thema trafen sich 34 Mitglieder und Gäste der Dresdener Sektion des Freundeskreis Luftwaffe e.V. und erfuhren Fakten, die dieses Thema sehr komplex behandelten. Der 4. Dezember 1958 war ein denkwürdiger Tag in Dresden: Der hier entwickelte und produzierte 152/I V1, der erste deutsche Passagierjet, mit der Kennung DM-ZYA unternimmt den ersten erfolgreichen Testflug. Drei Jahre später, am 28.2.1961, beschließt die Regierung der DDR die Auflösung der Luftfahrtindustrie. Der einst beschlossene Höhenflug dieses Industriezweiges wird zur Bruchlandung. Ulbrichts Traum vom „Ü berflügeln des Westens“ war schnell ausgeträumt! Aber warum? Der Referent, der Leiter der Sektion Dresden Rainer Appelt, hat umfangreich recherchiert und eine Vielzahl ökonomischer, technisch- technologischer und politischer Faktoren ermittelt, die eine Antwort geben können. Das Ziel des Vortrages bestand darin, im zeithistorischen Kontext von 1945-1961 eine Antwort auf die Frage geben zu können. Dazu war es notwendig, solche die SBZ/DDR betreffenden Themen wie:
Dies geschah unter Nutzung sowohl neuester deutsch/russischer Fachliteratur als auch durch den Zugang zu neuen Erkenntnissen in Auswertung nunmehr für Historiker zugängigen russischen Geheimarchiven. Und die Untersuchungen brachte eine Vielzahl von Faktoren zu Tage, die in ihrer Gesamtwirkung dieses Groprojekt der DDR von Anfang an zum Scheitern verurteilt hatten: nicht nur die in der DDR so aktiv propagierte „uneigennützige und brüderliche Hilfe“ sowie die Nichteinhaltung von Regierungsabkommen durch die Sowjetunion erwies sich letztendlich als Fehleinschtzung für die DDR-Regierung. Auch die dazu notwendigen umfangreichen human-technisch (Materialien, Gerteindustrie etc.) -technologischen und wissenschaftlichen Ressourcen waren im neuaufgebauten Wirtschaftszweig (trotz Investitionsumfang ca. 1,5 Mrd.DM) nicht bzw. ungenügend vorhanden. Dazu kam die Nichterreichung wichtiger technisch-ökonomischer Flugparameter der 152 (geringe Transportarbeit, späte Indienststellung frühestens 1962/63, zu hohe Betriebskosten gegenüber Konkurrenzmodellen wie Tu 104, „Caravelle“, „Comet IV“ etc.). Auch war es im Rahmen des RGW nicht gewollt, dass die DDR auch das angedachte kleinere Projekt wie das Agrarflugzeug „Flora“ entwickelt und baut. Für das 1954 aus der Sowjetunion heimgekehrte Junkersteam um Baade stellt die 152 und die Folgeprojekte wie 153 (ein modernes PTL-Flugzeug) und 155 (Kurzstreckenflugzeug mit auf den Tragflächen aufgesetzten TL-Triebwerken, wie spter die VWF 614) dennoch eine große Leistung dar. Hatten sie doch durch die Abschöpfung ihres hochinnovativen Fachwissens, bedingt durch die Verschleppung am 22.Oktober 1946 (22.10.2011: 65. Jahrestag dieses Ereignisses) in die Sowjetunion, dieses bereits um das Jahr 1948 „aufgebraucht“ und wurden nicht in weitere Entwicklungen/Erprobungen/Forschungen in der SU einbezogen. Damit erfolgte die Entwicklung und Konstruktion des Mittelstreckenpassagierjets 152 in Dresden-Klotzsche beginnend im Jahr 1954/55 mit einem Wissensrückstand von bereits 10 Jahren! Mit der endgültigen Absage der Sowjetunion im Sommer 1959, dass sie, entgegen bisheriger Meinungen und abgeschlossener Staatsverträgen mit der DDR, keinerlei Flugzeug aus der DDR importieren wird und auch nicht die einst bestellten 100 Stück 152 benötigt, war eigentlich der Todesstoß der DDR-Luftfahrtindustrie versetzt worden. Auch ein Marktzutritt auerhalb des westlichen Auslandes (China, Südamerika) war durch keinerlei Vertragsgestaltungen reell untersetzt gewesen. Durch die Teilnahme des Zeitzeugen Kurt Häschel (Industriefotograf des VEB Flugzeugwerke Dresden) sowie durch Andreas Dietrich aus dem Archiv der EFW Dresden mitgebrachten Originalunterlagen wie Konstruktionszeichnungen, Werbeschriften, farbige Aquarellzeichnungen sowie Lehrtafeln für die Lehrlingsausbildung wurden weitere wichtige Informationsquellen geboten. Das Echo der Teilnehmer war überaus positiv, hatten sie doch das Thema „Die Sowjetunion und die DDR-Luftfahrtindustrie/152“ aus diesen Aspekten so noch nicht behandelt gesehen. Und die dargebotenen historischen Fakten waren schon überraschend und auch überzeugend!
Rainer Appelt
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