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Sektion Dresden - Besuch beim 31. Takt. Geschwader in Polen
Besuch der 31. Taktischen Luftwaffenbasis (Baza Lotnictwa Taktycznego) in Poznan - Krzesiny
Diesmal trafen sich Mitglieder und Gäste des Freundeskreises Luftwaffe e.V. Sektion Dresden auf dem Gelände des 31. Taktischen Geschwaders in Poznan-Krzesiny. Nach dem obligaten Sicherheitscheck und einem herzlichen Empfang begann das hochinteressante, komplette und perfekt vorbereitete Besuchsprogramm. Es begann mit einen Briefing über die wechselvolle Geschichte dieses Flugplatzes, beginnend von 1919 bis in die Gegenwart. Eine neue Ära begann am 8. November 2006 mit der Landung der ersten F-16 auf dem Flugplatz sowie der Neustrukturierung im Jahr 2008 als 31. BLOT (31. Taktische Luftwaffenbasis). Danach begann der Rundgang zu verschiedenen Stationen des Flugdienstes. An diesem Tag trainierte die Fallschirmsportgruppe des Fliegerhorstes und demonstrierte ihren hohen Ausbildungsstand, von dem wir uns in unmittelbarer Nähe des Landepunktes überzeugen konnten. Es gehört schon großes Können dazu, nach dem Absetzen aus 1000 m Höhe und starkem Wind einen „Nullsprung" zu zeigen. Muss der Springer doch mit einem am Schuhabsatz befindlichen „Kunststoff-Knubbel" genau die nur 2cm im Durchmesser messende Landescheibe treffen! Und wir konnten den Springern dafür oft Beifall zollen ... Über die notwendige aber auch aufwändige Wartung und Pflege der Sprungausrüstung informierte uns der Chef dieser Spezialabteilung persönlich.
Die nächste Station war der Hangar, wo wir die F-16 intensiv in Augenschein nehmen durften. Natürlich hatten wir nach dessen Vorstellung viele Fragen an den Flugzeugführer. Nach dem Erstflug der von Lockheed Martin gebauten F-16 „Fighting Falcon", der am 2. Februar 1974 stattfand, konnte man bei der Indienststellung im Jahr 1975 ihre für diese Zeit geradezu sensationellen Flugeigenschaften und hohe Manövrierfähigkeit bewundern. Diese Wendigkeit konnte nur durch eine bewusst instabile aerodynamische Auslegung und computergestützte Fluglagesteuerung erreicht werden. Die Polish Air Force besitzt insgesamt 48 Maschinen, von denen 8 Doppelsitzer sind. Die Maschinen gehören zum Produktionslos Block 52+ C/D und stellen damit die modernste Version außerhalb der USA dar. Eine weitere Besonderheit ist auch die gewünschte Integration eines Bremsschirmes in einem Container in der Seitenleitwerkswurzel. Überzeugen konnte auch der Fakt, dass die F-16 bei totalem Triebwerksausfall und damit auch Hydraulikdruckverlust durch das Starten einer Hilfsturbine innerhalb der nächsten 15 Minuten immer noch gesteuert und gelandet werden kann. Die Flugzeugführer des 31. Blot wurden in den vergangenen Jahren erfolgreich auf die F-16 umgeschult und haben nahezu alle den sog. „Combat Ready" - Status erreicht. Bester Beleg dafür ist, dass die polnischen F-16 im Rahmen des Air Policing Baltics der NATO eingesetzt werden können. Das Geschwader ist heute soweit qualifiziert, die Mustereinweisung und komplette Umschulung in Polen durchführen zu können. Die weiteren Besichtigungsstationen wie der „Ejection Room" und der „Full Mission Flight Simulator" sind sehr wichtige Komponenten dieser Ausbildungs- bzw. Umschulungsphase. Im Verfahrenstrainer für Katapultierungen bekamen wir gleich anschließend einen sehr genauen Eindruck vom Notverlassen oder dem „Ausstieg" aus diesem Flugzeugtyp. Wie ungewohnt diese Situation für einen Piloten sein muss, demonstrierte ein Mitglied des Freundeskreises bei einem Selbstversuch. Einen wahrhaft bildlichen Eindruck vermittelt das dabei geschossene Foto.
Was danach kam, wird uns noch lange in Erinnerung bleiben: Wir durften im Flugsimulator der F-16 dabei sein, um komplette Flugmanöver einschließlich Rollen, Loopings etc. in perfekt simulierter virtueller Umgebung im wahrsten Sinne des Wortes „erleben" zu können. Ein Mitglied (ehem. Pilot der NVA/Bw) unserer Besuchergruppe durfte im Cockpit Platz nehmen und mit der F-16 den Start durchführen und anschließend einfache Flugmanöver fliegen. Für ihn, der bislang nur (Kampf-)Flugzeuge mit sog. „Steuerknüppel" kannte, war der Sidestick mit seiner sensitiven Steuerung eine völlig neue Erfahrung. Schließlich, und sehr zum Erstaunen des Instrukteurs, gelang ihm eine nahezu perfekte Simulator-Landung. Wohlgemerkt: in diesem weltweit besten F-16-Simulator können alle möglichen Flug- und Gefechtsmanöver mit und ohne Waffeneinsatz und unter allen Wetterbedingungen sowie die komplexen Gefahrensituationen simuliert bzw. trainiert werden. Zum großen Teil fliegen die Piloten ihre sog. „Missions" bereits vor dem realen Flug, um komplizierte Phasen zuvor trainiert zu haben.
Die F-16 konnten wir leider nicht im Flugbetrieb erleben, da der Besuch des US-Präsidenten Barack Obama in Polen für diesen Tag angekündigt war und eine Luftraumsperre zur Folge hatte. Aber mit dem „Flugsimulatorerlebnis" hielt sich der Schmerz darüber sehr in Grenzen.
Die ständige Einsatzbereitschaft der umfangreichen Fliegerspezialausrüstung wie Thermo-Unterwäsche, Seenotrettungsanzug, Flieger-Overall, Anti-G-Hose, Helmvisier, Kragenschwimmweste, Notfallausrüstung, Funkgerät, Signalspiegel etc. unterliegt einer ständigen Wartung und Pflege. Vom hohen Qualitätsstand konnten wir uns im entsprechenden Wartungszentrum direkt überzeugen.
Auf dem Fliegerhorst findet nicht nur Flug- und Fallschirmsprungbetrieb statt. Die Angehörigen der Basis investieren auch viel Zeit in die Traditionspflege ihres Fliegerhorstes. Die Restaurierungsarbeiten an den beiden aktuellen Projekten, einer Lim-2 (polnische Lizenz der MiG-15) und einer sowjetischen MiG-19, belegen das sehr eindrucksvoll.
Zu einem Fliegerhorst gehört natürlich auch eine Feuerwehr. Uns wurde eine mit modernsten Mitteln für Löschen, Retten und Bergen ausgerüstete Flugplatz-Feuerwehr präsentiert. Diese Technik steht genauso auch für zivile Einsätze in der Region zur Verfügung.
Die Zeit verging wie im „Fluge" und gegen 14 Uhr hieß es wieder, Abschied zu nehmen. Der Kommandant verabschiedete unsere Besuchergruppe persönlich. Der Austausch von Erinnerungsgeschenken war mehr als nur eine formelle Geste unser polnischen Gastgeber. Wir sind mit dem Eindruck nach Hause gefahren, einen Nachbarn und NATO-Partner kennengelernt zu haben, der seine Aufgaben professionell, kompetent und in hoher Qualität wahrnimmt.
Dass dieser Besuch stattfinden konnte, war nur dem großen Engagement unseres Vereinspräsidenten GenMaj. a.D. Botho Engelien in Zusammenarbeit mit der Botschaft der Bundesrepublik Deutschland in Warschau und Ihrem Militärattaché Oberst i.G. Klaus-Peter Kiser sowie der koordinierenden Tätigkeit der Mitarbeiter des Militärattachéstabes Stabsfeldwebel René Affeldt und Stabsunteroffizier Dennis Kronemann zu verdanken. Gleichfalls geht der Dank an Major Dariucz Balicki vom 31. Blot Poznan, der die umfangreiche Koordinierungsarbeit vor Ort geleistet hat. Und damit wir dies alles im wahrsten und erweiterten Sinne des Wortes verstehen konnten, dafür zeichnete Andreas Dietrich als Dolmetscher verantwortlich. Unsere Gruppe möchte sich deshalb für diese aktive Unterstützung bei allen Beteiligten herzlich bedanken.
Rainer Appelt Leiter Sektion Dresden FkLw Görlitz, 31.5.2011
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