Weitere Inhalte
Aktuelles
Sektion Berlin
Sektion Kerpen
Sektion München
ASprSt Dresden
Internet-Links
Flug Revue
Archiv
Impressum
Kontakt
Luftwaffe.de
Neues aus dem Verein

Jeden Monat NEU
das Editorial aus der FLUGREVUE
siehe Aktuelles


(Suche mit 'Enter' bestätigen)

 

FLUG REVUE


 

produced by basta!media 

 

 

PDFDruckenE-Mail

Besuch bei der franz. Luftwaffe

Erstbesuch der franz. Luftwaffe Base aeriénne 133 Commandant Henry Jeandet in Nancy mit Mirage 2000 D.

Die Sektion München des Freundeskreis Luftwaffe besuchte vom 9. bis 10.Juni 2008 mit 25 Mitglieder erstmalig die franz. Luftwaffe Base aeriénne 133 in Nancy-Ochey. Umfangreiche Vorarbeiten waren für den Leiter der Sektion Heinz Gerrits dazu erforderlich.
Der entscheidende "Türöffner" dazu war der franz. Verbindungsoffizier in der OSLw Fürstenfeldbruck Lieutenant Colonel (OTL) Yannick Blévin. Er erreichte über seinen Vorgesetzten und  Militärattache in Berlin sowie das deutsche Gegenstück dazu in der deutschen Botschaft in Paris Oberst i.G. Frietzsche die Einladung durch die franz. Luftwaffe.
In einer kurzweiligen Busreise mit Stadtführung durch Nancy mit dem Weltkulturerbe Place Stanislas, erreichten wir den westlich von Nancy im Grünen liegenden Fliegerhorst Henry Jeandet. Unterwegs berichtete Herr Blévin von seinen eigenen fliegerischen Erfahrungen mit dem Jagdeinsitzer Mirage 2000 in Cambrai, im Bosnieneinsatz vom italienischen Cervia sowie vom Irak-Einsatz. Nachdem Erhalt der Unterlagen zur Base aeriénne 133 sowie der Zimmerschlüssel und einem Besucherausweis durch die Gendarmerie National am Haupttor mit einem Sockelflugzeug Mystere IVA, suchten wir unsere Zimmer auf. Gleich am Eingang trafen wir auf deutsche Bundeswehrangehörige. Ein Hinweis auf das anstehende Briefing am folgenden Tag! Das gemeinsame erste Kennen lernen der franz. Truppenversorgung im geräumigen Kasino für die 2100 Mann und Frauen, ergab einen positiven Einblick in die kulinarischen Besonderheiten dieses Landes. Ein interessantes Gespräch mit einem franz. Reservepiloten ergab sich an der Bar. Dieser fliegt derzeit mit einer zivilen Propellermaschine simulierte Angriffe auf spezielle Ziele wie Kernkraftwerke. Auch die entsprechenden speziellen Abwehrmaßnahmen werden eingeübt. 

base_arienne_133_nancy_text.jpg

 


Am nächsten Tag begann nach dem Frühstück das erste Briefing mit Major Tilo Jung. Er ist Tornadopilot in Büchel und seit 2006 Austauschoffizier und Leiter der deutschen Teilnehmer an der franz.-deutschen CAAF-Schule ( Ausbildung von Luftnahunterstützungsoffizieren).
Dort werden wie in gleich gelagerten Schulen in England, Holland und Spangdahlem jährlich 20 deutsche und 40 franz. Teilnehmer ausgebildet zum Luftnahunterstützungsoffizier. 10 kommen vom Heer, 8 aus der Luftwaffe und 2 von der Marine (Kampfschwimmer). Ausbildungssprache ist englisch. Spätere Hochwertausbildungen erfolgen in Deutschland auf dem Truppenübungsplatz Baumholder mit scharfem Schuss sowie für die Franzosen in Djibouti. Lehrgangsziele sind Ausbildung zum Fliegerleitoffizier, Anforderung von LuftnahUnterstützung, Funkverkehr mit dem Piloten zur Zieleinweisung, Koordinateneingebung, Vermeidung von Kolateralschäden, Beobachtung der Waffenwirkung auf eigenes Personal u.a.m.
Der Offizier wird mit Laserbeleuchter, Nachtsichtbrille und Funkgerät vertraut gemacht.

Ein abschließender Film aus einem Einsatz in Afghanistan mit einer in 5000 m Höhe kreisenden AC-130 Hercules mit 40 mm Kanone mit Explosivgeschossen, zeigte eindrucksvoll einen nächtlich geführten Angriff auf Terroristen mit Fahrzeugen. Der Fliegerleitoffizier dirigierte über Funk aus ca. 1 km Entfernung auf einer Anhöhe auf das Ziel, wies auf Vermeidung von Kolateralschäden hin und gab letztendlich den Angriff frei. Übrigens sind derzeit in Kandahar/Afghanistan bis zu 6 Mirage 2000 D aus Nancy stationiert, dazu eine Rafale aus St.Dizier. Nach dem so noch nie gehörten sehr beeindruckenden Briefing kamen wir in eine der 3 Staffeln zur Escadron 2/3 "Champagne". Alle franz. Staffeln sind nach im 2.Weltkrieg von der Wehrmacht besetzten Landschaften benannt. Jede Staffel hat 20 Mirage 2000 D als zweisitzigen Jagdbomber, Mach 1,5, mit Pilot und WSO. Ähnlich dem Tornado besitzt das schnittige Delta-Flugzeug Geländeverfolgungstiefflugmöglichkeit als eine sehr stabile Waffenplattform. Zwei mächtige Zusatztanks geben ausreichende Reichweiten und Luftbetankung ist gegeben. Sie besitzt erstaunlicherweise keine Kanone- im Gegensatz zur Jagdausführung mit 2 x 20 mm Defa-Kanonen mit je 125 Schuss. An Waffenzuladung sind ungelenkte und lasergesteuerte Bomben (1ooo kg ) , Cruise misslie Apache, Missile AS 30 L (Laser) und zur Selbstverteidigung Magic II im Einsatz. Ein Laserpod und Infrarotkamera erlauben bei Tag und Nacht und bei jedem Wetter Punktgenaue Zielerfassung. Jede Staffel - wie bei den anderen beiden Escadrons 1/3 "Navarre" und 3/3 "Ardenne" - arbeitet völlig autonom in Wartung, Waffeneinsatz, Ausbildung über Simulator und Versorgung. Zwei Piloten zeigten der Gruppe die Mirage 2000 D, während draußen mehrere Jets in den blauen Himmel starteten. Im Gefechtsstand bereitete sich eine Pilotin im Anti-G-Anzug auf ihren Flug vor. Es gibt mehrere Pilotinnen in der Armé de l`Air ! Wir erfuhren einiges über Geschichte der Escadron de chasse , die schon im 1.Weltkrieg die Spa 102 flog. In der Zwischenkriegszeit die Dewoitine 500 und 1939 die starke Curtiss H 75 auf der Basis in Reims. Der junge Flieger und spätere General Günter Rall erlebte seinen ersten schwierigen und selbst verlustreichen Luftkampf gegen eine Curtis. 111 deutsche Maschinen hat die Escadron im 2.Weltkrieg abgeschossen. Nach Ende der Kämpfe wurden die Piloten nach Nordafrika verlegt und kämpften dann auf Seiten der Alliierten mit P 39 Airacobra und später mit der P 47 Thunderbolt. 1947 wurde die Escadron nach Friedrichshafen am Bodensee verlegt. 1948 nahm sie mit Spitfire am Indochinakrieg teil. 1950 endlich kam in Reims der erste Jet der franz. Luftwaffe mit der Vampire zum Einsatz. 1951 wurde auf F- 84 umgeschult und 1959 verlegte die Einheit mit der neuen F-100 Supersabre nach Deutschland auf den Flugplatz Lahr am Schwarzwald. 1967 kam die Staffel dann an den derzeitigen Flugplatz Nancy und flog dann sehr lange bis 1991 die Mirage III E als ersten Allwetterjäger. 1991 wurde auf die Mirage 2000 N umgestellt und 1994 nahm die Staffel von dem italienischen Flugplatz Cervia am Jugoslawienkonflikt teil sowie in Afghanistan. 
 mirage_3_text.jpg  mirage_4_text.jpg  mirage_2000d_text.jpg


Einige Mitreisende versuchten sich im Simulator und zuletzt hatten wir alle vom Towergebäude in der Meteorologie eine gute Sicht auf die Startbahn. Die beiden franz. Offiziere erhielten vom Sektionsleiter als Dank und Anerkennung das Wappen des Freundeskreis Luftwaffe sowie den viel beachteten vorgefalteten Edelstahl-Doppeldecker mit dem Schriftzug des Freundeskreis im Flügel. Zusätzlich noch die schon traditionelle bayerische Brotzeit mit Weißwurst in der Dose und bayerisches Bier.

Das 5-Gang Menü in der Offiziermesse rundete den halben Tag mit vielen Eindrücken von einem der größten franz. Fliegerhorste ab. Der Vollständigkeit sei erwähnt, dass anschließend das Schlachtfeld Verdun des 1.Weltkrieges und der Zentralfriedhof für 33 000 deutsche Gefallene des 2.Weltkrieges in Andilly/ Meurthe-et-Moselle besucht wurden. Die gut miteinander kommunizierende Gruppe konnte noch einmal am Abend in Metz sich bei einem guten Abendessen austauschen und am Ende der Reise, die über Straßbourg verbunden mit einer kleinen Stadtführung erfolgte, dankte der Sektionsleiter allen Mitreisenden. Besonderer Dank natürlich an Lieutenant Colonel Blévin für seinen Anteil am Zustandekommen der Reise und somit endete nach 3 erlebnisreichen  Tagen der Erstbesuch des Freundeskreis bei der franz. Luftwaffe.

Heinz Gerrits
Fotos  Fehlauer,Kliemann, Gerrits

 

weitere Fotos in unserem Bildarchiv