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In Memoriam Leutnant Jürgen Ave

Autor: Harald Meyer

 

Am 25. Januar 1962 kam der Luftwaffenpilot Leutnant Jürgen Ave beim Absturz seines Kampfflugzeugs vom Typ Fiat G.91 R.3 bei Raboldshausen/Wittenweiler, Gemeinde Blaufelden im Hohenloher Land südwestlich von Rothenburg ob der Tauber ums Leben. Er starb den Fliegertod im frühen Alter von 22 Jahren. Er hinterließ seine Frau Dagmar und die gemeinsame Tochter Sabine, die erst Mitte Dezember 1961 geboren worden war. Nahezu 50 Jahre später, am 14. Juli 2011, errichteten damalige Schulfreunde und ehemalige Fliegerkameraden unter der Leitung von Martin Mallach einen Gedenkstein an der Absturzstelle, dem eigentlichen Grab. Über 50 Personen beteiligten sich an der Einweihung und erinnerten an den Menschen und Flugzeugführer Jürgen Ave. Auch der Freundeskreis Luftwaffe war mit den Mitgliedern der Sektion München Jürgen Halbreder und Günter Wiesner vor Ort und ehrte den verstorbenen Luftwaffenpiloten mit einem Blumengedeck.

Jürgens Jugend

Jürgen Rüdiger Adalbert Ave wurde am 18. April 1939 als Bauernsohn in Kathkow in Pommern geboren. Sein Vater fiel als Soldat am 20. Juni 1943 in Russland. Mit näher kommender Front floh die Mutter mit ihren inzwischen drei Kindern in Richtung Westen. Wie viele Flüchtlinge aus Pommern, Schlesien, Ostpreußen und anderen Gebieten fand auch Familie Ave ein neues Zuhause in der katholischen Pfarrgemeinde St. Eduard im Arbeiterbezirk Berlin-Neukölln. Nach dem Besuch der Grundschule wechselte Jürgen auf das Albrecht-Dürer-Gymnasium. In seiner Freizeit nahm er aktiv am pfadfinderischen  Jugendleben teil und lernte in dieser Zeit Gitarre spielen. Fußball war jedoch seine Leidenschaft. So verbrachte er immer mehr Zeit für diesen Sport und wurde zum A-Jugendspieler für Berlin nominiert. Zum Jahreswechsel 1955/1956 musste Jürgen Ave nochmals die Schule wechseln. Im Juni 1957 starb seine Mutter im Alter von 49 Jahren. Rund 9 Monate später vollendete er erfolgreich seine schulische Laufbahn am Albrecht-Schweitzer-Gymnasium mit dem Abitur.

Der Soldat Ave

Kurz nach seinem Schulabschluss verließ er Berlin und trat am 16. April 1958, zwei Tage vor seinem 19. Geburtstag der Luftwaffe bei. Seine Wunschverwendung war das Fliegen. Allerdings musste er sich gedulden und zunächst die allgemeinmilitärische Ausbildung hinter sich bringen. In den ersten Monaten hielt er sich im Rahmen der Grundausbildung und des Unteroffizierlehrgangs in Faßberg und Delmenhorst auf. Im Herbst 1958 wurde er zur Offizierschule nach Neubiberg in Süddeutschland versetzt. Zu Beginn des zweiten Dienstjahres begann seine fliegerische Laufbahn mit der Auswahlschulung auf dem Propellerflugzeug Piper L-18 C in Uetersen. Nach erfolgreichem Abschluss erfolgte der nächste Schritt bereits auf einem Jetflugzeug bei der Flugzeugführerschule „A" in Penzing bei Landsberg am Lech - dem französischen Schulflugzeug Fouga Potez CM.170R Magister. Im Februar 1961 erwarb der inzwischen zum Leutnant beförderte Jürgen Ave nach rund 200 Flugstunden die Blindflugberechtigung. Damit war der Weg frei für eine Versetzung zur Waffenschule der Luftwaffe 50 nach Erding. Dort folgte die Umschulung auf das Einsatzmuster Fiat G.91.

Das Flugzeugmuster

Das militärische Flugzeugmuster G.91 ging als Sieger einer Ausschreibung der NATO vom Dezember 1953 für ein leichtes und preiswertes Jagdbomberflugzeug hervor. Am 9. August 1956 startete der erste von drei Prototypen vom Flughafen Turin Caselle zum Jungfernflug. Ein Jahr später begann Fiat mit der Produktion des Flugzeugs. Die Bundesluftwaffe erhielt insgesamt 344 Flugzeuge der einsitzigen Version G.91 R.3. Das G in der Typenbezeichnung steht für den damaligen Chefkonstrukteur Gabrielli. Die Piloten nutzten den Buchstaben allerdings später für einen anderen Namen und nannten in Anlehnung an die italienische Schauspielerin Lollobrigida ihr Flugzeug „Gina". Das R steht für den englischen Begriff Reconnaissance und bedeutet Aufklärung. Denn in der Flugzeugnase waren drei VINTEN-Kameras eingebaut, die zur Bildbestätigung der Aufklärungsergebnisse bei Tageseinsätzen dienten. Sie waren in den Stellungen links, rechts und vorwärts geneigt sowie senkrecht einsetzbar. Für die Option nach unten musste einer der quergeneigten Apparate in die Senkrechtstellung geschwenkt werden. Zur Bewaffnung gehörten zwei fest eingebaute DEFA-Kanonen mit 30 Millimetern Kaliber sowie ungelenkte Raketen und verschiedene Bomben an maximal vier Aufhängestationen unter den Tragflächen. Zur Erhöhung der Reichweite wurden zwei Außentanks mit je 260 Litern Fassungsvermögen an die Innenstationen gehängt. Diese wurden später durch größere Tanks mit je 520 Litern Inhalt ersetzt. Als Antrieb diente ein axial durchströmtes Strahltriebwerk ohne Nachbrenner des Typs Orpheus 803 der britischen Firma Bristol Siddeley. Es brachte die Maschine auf eine hohe Geschwindigkeit, die knapp unter der Schallmauer lag. Der Schleudersitz stammte ebenfalls aus Großbritannien. Anfänglich waren Martin-Baker MK.4-Sitze eingebaut, die aber Mitte der sechziger Jahre durch ein zusätzliches Raketenpack leistungsfähiger wurden und die Typenbezeichnung MK.6 erhielten. Jürgen Ave machte seinen letzten Flug am 25. Januar 1962 mit einer Maschine, die das militärische Kennzeichen EC+106 trug. Dieses Flugzeug gehörte zur 1. Staffel des Aufklärungsgeschwaders (AG) 53. Dieser Verband wurde ab 10. Oktober 1960 in Erding aufgestellt und verlegte sieben Monate später zum eigentlichen Heimatflugplatz Leipheim. Wie zur Anfangszeit der Luftwaffe üblich, wurden neue fliegende Einheiten aus bereits vorhandenen Geschwadern heraus geteilt. Aves Flugzeug wurde 1960 als 13. Flugzeug von insgesamt 50 Maschinen des Typs R.3 von Fiat Aviazione in Turin mit der Werknummer 91-1-0066 gebaut. Nach den technischen Abnahmeflügen erhielt die „Gina" zunächst die Kennung BD+106, was nach dem anfänglich gebräuchlichen Kennzeichensystem der Bundeswehr auf einen Einsatz in der 1. Staffel der Waffenschule der Luftwaffe 50 hinweist.

Der Unglücksflug

Am 25. Januar 1962, an einem winterlichen Donnerstagnachmittag, starteten  zwei einsitzige Flugzeuge des Typs Fiat G.91 R.3 gegen 15:15 Ortszeit auf dem Militärflugplatz Erding bei München. In einer Maschine saß Hauptmann Lothar Wiese als Fluglehrer und Rottenführer, in der zweiten „Gina" hatte Leutnant Jürgen „Chubby" Ave Platz genommen. Die Rotte flog zunächst unter Sichtflugwetterbedingungen nach Westen in Richtung Donauwörth. Dort änderten die Piloten ihren Kurs Richtung Nordwesten, um nach Überfliegen eines Wegpunktes bei der Ortschaft Crailsheim ihr eigentliches Ziel der Mission, eine Bahnhofsanlage in der Nähe von Aschaffenburg, anzusteuern. Dazu kam es aber nicht mehr. Denn an diesem Nachmittag lag eine deutliche Luftmassengrenze über der Hohenloher Ebene. Diese sogenannte Frontalzone wurde durch ein kaltes und feuchtes Tiefdruckgebiet im Norden und einem wärmeren Hoch im Süden verursacht und erzeugte schlechte Flugsichten und tiefhängende Wolken. Die zwei Flugzeuge aus Erding näherten sich gegen 15:45 Uhr der Schlechtwetterfront. Sie flogen in taktischer Formation und hatten einen Abstand von rund 1,5 Kilometern zueinander. Leutnant Ave geriet in tief hängende Wolkenmassen, die in der Gegend von Blaufelden eine geringe Höhe von 60 bis 80 Metern über dem Erdboden erreichten. Über Funk erklärte er seinem Rottenführer, dass er nichts mehr sehen könne. Auf seine Anweisung einen Kurs von 130° einzunehmen, erhielt Hauptmann Wiese von seinem Rottenflieger keine Antwort mehr. Offensichtlich hatte Leutnant Ave während des Manövrieren des Flugzeugs die Orientierung im Raum verloren. Er schlug in einem steilen Sinkflug auf eine Wiese auf. Die Explosion der Maschine schuf einen Krater von mehreren Metern Durchmesser und Tiefe. Die Unfallstelle liegt rund 1500 Meter nordöstlich des Dorfes Raboldshausen. Hauptmann Wiese flog noch eine Kurve über dem Unglücksort und hoffte einen Fallschirm als Lebenszeichen von Leutnant Ave zu finden, doch eine Rettung mit dem Schleudersitz hatte nicht stattgefunden. So musste er allein nach Erding zurück fliegen. Hauptmann Lothar Wiese wurde später zum Jagdgeschwader 71 „Richthofen" nach Wittmund versetzt, wo er als Major am 14. Oktober 1965 mit einem doppelsitzigen Jettrainingsflugzeug vom Typ Lockheed T-33 A „T-Bird" unweit des Flugplatzes Wittmund tödlich verunglückte.

Die Gedenkstätte am Absturzort

Leutnant Jürgen Ave, Bauernsohn aus dem alten Pommern, starb auf einem Acker der Bauernfamilie Stöcker aus Wittenweiler, als sein Flugzeug dort am 25. Januar 1962 gegen 15:50 Uhr einschlug und einen tiefen Krater riss. Die Geoposition seiner Unfallstelle lautet: 49° 17' 46,4'' Nord, 09° 56' 12,4'' Ost. Diese landwirtschaftlich genutzte Fläche ist Jürgen Aves eigentliches Grab, auch wenn Reliquien von ihm im Winter 1962 im Grab seiner Mutter auf dem Alten St. Michael-Friedhof in Berlin-Neukölln beigesetzt wurden. Groß war damals zu diesem Anlass die Anteilnahme seiner Jugendfreunde, Schul-, Fußball- und Fliegerkameraden sowie vieler Mitglieder seiner katholischen Heimatpfarrgemeinde St. Eduard in Berlin-Neukölln. Die Militärangehörigen durften wegen des Viermächtestatuts in der Viersektorenstadt Berlin nicht in Uniform anreisen und mussten an der Beisetzung ihres toten Kameraden in Zivilkleidung teilnehmen. Die Beharrlichkeit des ehemaligen Schulfreundes Martin Mallach in Zusammenarbeit mit dem damaligen Fliegerkameraden Helmut Jäger führte zur Errichtung eines Gedenksteins. Am 14. Juli 2011 wurde die Gedenkstätte in Erinnerung an einen Luftwaffenpiloten, der in Ausübung seines Dienstes den Fliegertod fand, feierlich eingeweiht. Insbesondere für Aves Tochter Sabine war dies eine gute Möglichkeit, im Gespräch mit den Teilnehmern, mehr über ihren Vater zu erfahren  In unmittelbarer Nähe der Absturzstelle wird in nächster Zeit eine große Windkraftanlage errichtet, deren Rotoren sich dann je nach Windrichtung auch unmittelbar über Jürgen Aves Unfallstelle, seinem eigentlichen Grab, drehen werden. Luft, Wind, Acker und Bauern - uralte Symbole auch für Himmel und Erde und daher passend für einen Menschen, der als Bauernsohn die Fliegerei geliebt hat.

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Daten & Fakten

Gründung: 19.09.1984
Stand 2016:  1.187 Mitglieder

Kontakt

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