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Der Werdegang eines Piloten der Luftstreitkräfte der NVA

Autor: Rainer Appelt, Leiter Sektion Dresden

 

Der Werdegang des Piloten der ehemaligen Luftstreitkräfte der NVA, Andreas Dietrich, Jahrgang 1958, hatte wenig gemeinsam mit dem üblichen Ausbildungsweg, den die anderen seines Jahrganges gingen. Das begann mit seiner zusätzlichen Berufsausbildung als Offiziersschüler bei der INTERFLUG, setzte sich mit einem Diplom-Studium an sowjetischen Fliegerschulen fort und endete - vorläufig - mit seiner Umschulung auf den Jagdbomber MiG-23BN unmittelbar nach Rückkehr in die Heimat.

Bis dahin verlief die Auswahl und vormilitärische Ausbildung in durchaus DDR-üblichen Bahnen: Mit dem einmal geäußertem Wunsch, Offizier der NVA werden zu wollen, waren die dazu notwendigen Folgeaktivitäten durch die „zuständigen Organe" vorbestimmt. Dazu zählte einmal der alles entscheidende Vorschlag eines Major Köllner, der ihm im Januar 1975 in Cottbus als Mitglied einer Bemusterungskommission für Offiziersbewerber vorschlug, die Laufbahn eines Flugzeugführers der NVA auszuwählen. Desweiteren waren es auch gewisse Auswahlverfahren einschließlich der akribischen flugmedizinischen Untersuchungen in Königsbrück.

Schließlich mündeten diese Vorbereitungen auf das künftige Offiziers-Studium in einer Motorflugausbildung in der damaligen GST auf der Zlin Z-42. Nach seiner Vereidigung auf den Dienst in den Luftstreitkräften der NVA im Jahr 1977 begann jedoch ein durchaus für die NVA unüblicher Ausbildungsweg zum Piloten eines Kampfflugzeuges. Und zwar mit einer zusätzlich angeordneten Berufsausbildung zum Flugzeugmechaniker für Verkehrsflugzeuge bei der damaligen INTERFLUG GmbH der DDR in Berlin-Schönefeld, welche er mit einem zivilen Facharbeiterbrief und guten Ergebnissen beendete. Es folgte ein weiteres Vorbereitungsjahr an der Offiziershochschule der LSK/LV in Bautzen, in welchem insbesondere die russische Sprache und die physischen Qualitäten ausgeprägt wurden. Das eigentliche Studium verlief über mehrere Einzeletappen, die, im Nachhinein betrachtet, schlüssig und folgerichtig für diesen ungewöhnlichen Ausbildungsweg erscheinen. Von 1979 bis 1980 erfolgte in Krasnodar und in Kiew an der Hochschule für Ingenieurtechnisches Personal das Grundlagenstudium.

Danach folgte die fliegerische Anfangsausbildung in Primorsko-Achtarsk am Asowschen Meer auf dem tschechischen Strahltrainer L-29 „Delphin", von den Piloten auch „Pfeifkessel" genannt. Dieser Trainertyp besaß einen großen Schwachpunkt: nämlich die unzureichende Triebwerksleistung bei hohen Außentemperaturen. So betrug beispielsweise die Steigzeit auf 4000 m Flughöhe sage und schreibe 25 Minuten! Das führte dazu, dass unter den herrschenden klimatischen Bedingungen die Schulung vorwiegend in die frühen Morgen- bzw. späten Nachmittagsstunden verlegt werden musste. Das vor jedem Start übliche „Flugspiel" mit einem Flugzeugmodell wurde, wie überhaupt das gesamte Studium und die fliegerische Ausbildung, ausschließlich in russischer Sprache durchgeführt. Hier wurden vom Piloten alle Details der folgenden Übung durchgespielt.

Dank der für DDR- bzw. NVA-Verhältnisse absolut unvorstellbaren generellen Fotografiererlaubnis gibt es unzählige Fotos, die viele Details der Ausbildung im Bild festhielten. Im Zeitraum 1981-1982 erfolgte die weitere Ausbildung in Krasnodar auf der MiG-21bis, der damals leistungsfähigsten MiG-21-Version. Über den in dieser Zeit stattfindenden Krieg der Sowjetunion in Afghanistan erhielten die deutschen Flugschüler keinerlei Informationen. Und dennoch bekamen sie indirekt die Auswirkungen des Krieges zu sehen. Die ständig landenden An-12 und Il-76 mit den in Zinksärgen transportierten Kriegstoten waren nicht zu übersehen ... Eine direkte Auswirkung des Afghanistankrieges gab es später dennoch auch für die DDR-Luftstreitkräfte: die Einführung eines optimierten Landeanfluges zur Minimierung der Möglichkeiten für Beschuß durch gegnerische Bodentruppen.

In Lugovoy, in unmittelbarer Nähe zur heutigen Hauptstadt Kirgistans - Bishkek - und direkt am angrenzenden Altai-Hochgebirge gelegen, erfolgte von 1982-1983 die abschließende Ausbildung auf der damals technisch hochentwickelten MiG-23MF. Danach ging es im September 1983, nach den fliegerischen Abschluß-Prüfungen und bestandenem Staatsexamen, zurück in die Heimat. Andreas Dietrich durfte nun die Wahl für sein NVA-Einsatzgeschwader treffen: entweder das JG-9 in Peenemünde oder das JBG-37 in Drewitz. Als Gubener fiel ihm diese Entscheidung jedoch sehr leicht. In dieser Einheit erfolgte alsdann die Umschulung auf den Jagdbomber MiG-23BN. Die Serienproduktion und Einführung dieses Typs in den Truppendienst war zwar in der ehemaligen UdSSR bereits Mitte der 70-er Jahre eingestellt worden, was die NVA-Führung jedoch nicht davon abhielt, dieses Einsatzmuster zu Beginn der 80-er Jahre trotzdem noch zu beschaffen. Nach heutigem Wissen bestand zur Zeit des Kalten Krieges die eigentliche Aufgabe der BN darin, im Kriegsfall taktische Kernbomben über gegenerischem Territorium auszuklinken. Denn dafür war sie konstruktiv sowie steuer- und navigationstechnisch ausgelegt worden! Für Luftkampf oder aerodynamisch anspruchsvolle Kunstflugmanöver war sie ungeeignet und zum Teil sogar nicht zugelassen gewesen. Bleibt zu hinterfragen, inwieweit das Training derartiger Gefechtsmanöver zum Einsatz von Kernwaffen mit der von der DDR-Führung immer proklamierten Verteidigungs-Militärdoktrin harmonierte.

Mit der Auflösung der NVA am 2. Oktober 1990 wurde Andreas Dietrich mit seinem Dienstgrad Hauptmann in die 5. Luftwaffendivision der Bundeswehr übernommen und für Überführungsflüge von MiG-23UB/MF/ML/BN von Peenemünde, Drewitz und Dresden nach Laage, Manching und Ramstein eingesetzt. Schließlich und endlich ließen ihn die Kontakte zu Piloten der USAF in Ramstein zu der Erkenntnis gelangen, dass der Einsatz des vorhandenen militärischen Potentiales von Ost und West auf einem Kriegsschauplatz Europa irreversible Schäden verursacht hätte. Eine anfangs geplante Umschulung auf den Jagdbomber Tornado kam wegen der veränderten militärpolitischen Lage in Europa und daraus resultierender Entscheidungen, auch persönlicher Natur,  nicht mehr in Betracht. Heute ist Andreas Dietrich in verantwortlicher Funktion in einem Kooperationsprojekt mit dem russischen Partner IRKUT in den Elbe Flugzeugwerken Dresden tätig. Seine Liebe zur Fliegerei ist auch heute noch ungebrochen.

Für den hochinteressanten Vortrag über 2,5 Stunden erhielt er einen Fotokalender als Erinnerungsgeschenk der Sektion Dresden überreicht. Die 22 Mitglieder und Gäste waren sich einig in der Auffassung, einen sehr lebendigen und persönlichen Einblick mit viel Insider-Wissen über den Werdegang eines NVA-Piloten erhalten zu haben. Die mitgebrachten persönlichen Ausrüstungs- und Bekleidungsgegenstände vermittelten einen wahrhaftig bildhaften und somit bleibendem Eindruck. Vielen Dank!

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Daten & Fakten

Gründung: 19.09.1984
Stand 2016:  1.187 Mitglieder

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