In deiner Nähe!

Der Freundeskreis Luftwaffe hat flächendeckend vier Sektionen. Nutzen Sie das Kontaktformular um einen Ansprechpartner in Ihrer Nähe zu erhalten. Die Sektionen befinden sich in nachfolgenden Städten: Berlin, Dresden, Nörvenich und München.

Kontaktformular

Was bieten wir?

Wir bieten in unserem Jahresprogramm eine Vielzahl von Veranstaltungen im In- und Ausland an. Besuche bei Einrichtungen der Luftwaffe, sowie der Luft- und Raumfahrtindustrie sowie vieles mehr! Jetzt Mitglied werden!

Aufnahmeformular

Veranstaltungen

  • 26.09.17 - NL-Luftwaffe Leeuwarden
  • 27.09.17 - Grob Aircraft

 

Solar Impulse – mit der Kraft der Sonne mit dem Flugzeug um die Welt

Autor: Heinz Gerrits, Leiter Sektion München

Am 9. März 2017 konnte der Sektionsleiter Heinz Gerrits einen besonderen Vortrag anmoderrieren, der großes Interesse bei fast 50 Zuhörern im Offizierskasino der Luftwaffe in Fürstenfeldbruck gefunden hat.


Ankunft der Solar Impulse 2 in San Francisco, 24. April 2016. Foto: Solar Impulse/Ross

Herr Hannes Ross (79) war seit 2004 im Solar Impulse Projekt maßgeblich als ehemaliger Flugzeugkonstrukteur beteiligt.
Er hat nach seinem Studium zum Dipl. Ing. an der Uni in Berlin 3 Jahre als Ingenieur im F-15 Programm bei McDonnell Douglas, St. Louis von 1967-70 gearbeitet. Danach war er 10 Jahre in der Konzeptentwicklung des Eurofighter MBB/DASA/EADS. Ebenfalls 10 Jahre war er deutscher Programmleiter im US/Deutschen X-31 Experimental Programm für MBB/DASA von 1985-95. Dieser Jet steht als Prunkstück in der Flugwerft in Schleißheim. Danach war er 10 Jahre Vizepräsident Design & Technologie bei DASA/EADS Military Aircraft bis  zum Beginn des Rentnerdaseins in 2001. Ab 2004 war er 7 Jahre Dozent in der TUM München. 2004 wurde er Mitglied des Core Teams für das Schweizer „Solar Impulse Programm.


Hannes Ross beim Vortrag in Fürstenfeldbruck. Foto: Gerrits

Solar-Impulse-Programm

Seit den 70er Jahren gab es bereits eine Reihe von unbemannte Flugzeugentwicklungen, bei denen der Antrieb mit Solarenergie erfolgte. 1980 auch den ersten bemannten  Flug mit Solarenergie mit dem von Paul McReady entwickelten Gossamer Albatross. Solair I ist ein deutsches Solarflugzeugprojekt von 1980, basierend auf dem Serien-Flugzeug Canard 2FL das  von Günther Rochelt entworfen und konstruiert wurde. Die Nasa hatte in den 90er Jahren mehrere unbemannte Solarflugzeuge entwickelt, um damit Dauereinsätze in großen Höhen zu fliegen. Der Helios ging 2002 in Hawaii wegen eines Strukturfehlers verloren.

Das Programm Solar Impulse hatte aber einen anderes Ziel als den „Schönwetterflug“ am Tage: Es sollte die Umrundung der Erde nur mit Sonnenenergie ermöglichen.

Zunächst wurde ein kleineres „Demonstrator Flugzeug“ Solar Impulse 1 gebaut (1,5 Tonnen, 63 m Spannweite) und getestet. Damit  wurden die technischen Annahmen und die grundsätzliche Machbarkeit geprüft und ein 26 Stundenflug durchgeführt, bei dessen Ende mehr Energie in den Batterien war als bei Flugbeginn. Dann konnte die Entscheidung gefällt werden, das eigentliche „Rekordflugzeug“ für die Weltumrundung zu entwickeln, das 2,5 to wiegt, bei einer Spannweite von 73 m.


Unterschiede Solar Impulse 1 und 2. Foto: Solar Impulse/Ross

Bei der Entwicklung des Solar Impulse 2 Flugzeuges ging nicht alles ganz ohne Probleme. Beim Bruchtest brach der Flügelholm und musste umkonstruiert und neu gebaut werden.  Das hatte ein deutliche Programm Verzögerung von gut  einem Jahr zur Folge. Diese Zeit wurde dazu genutzt um mit Solar 1 Amerika von San Franzisko bis New York zu überqueren. Dabei wurden wichtige Erkenntnisse für den Betrieb am Boden und im kontrollierten Luftraum, die Wettervorhersage, zum Piloten Training und zum Langzeit-fliegen gesammelt. Und es gab auch eine erfolgreiche Aktivität um neue Sponsoren zu werben und die Zusatzkosten zu finanzieren.

Der Erstflug der S-2 fand im Juni 2014 in Payerne in der Schweiz statt. Solar Impulse 2 ist ein Flugzeug mit einer Spannweite von 72 Metern , wiegt 2,5 t und hat mehr als 17 000 Solarzellen auf der Flügeloberfläche, Höhenruder und Rumpfhinterteil verteilt. Die Struktur ist im Wesentlichen  aus  Carbonfasern gebaut.

Die Lithium-Polymer Batterien mit ihrer Überwachungseinrichtung sind in den 4 Triebwerksgondeln eingebaut. Die 4 Elektromotoren geben dem Flugzeug eine durchschnittliche Fluggeschwindigkeit von rund 50 km/h. Die zweiblättrigen Zugpropeller werden über ein Getriebe in einem Drehzahlbereich  bis 400 U/min. angetrieben.

Die Rückenlehne des Pilotensitzes kann bis in die Horizontale geklappt werden, damit die zuvor mit der Flugmedizin eingeübten ca. 20 minütigen Schlafphasen mit Autopiloten-steuerung auch genutzt werden können. Es waren genügend Getränke-Verpflegung -Fallschirm und Notwasserungsausrüstung an Bord, und natürlich eine im Sitz integrierte Toilette.
Der Pilot stand dauerhaft im Funkkontakt mit der Flugzentrale in Monaco, wo insbesondere die Wetterauswertung und Vorhersage als ein ganz wichtiger Baustein in das Flugplanungs- und Flugleistungsprogramm vorgenommen wurde.
Ab Sonnenuntergang (höchster Punkt im Missionsprofil) flog Solar Impulse 2 im Gleitflug nach unten mit geringem Stromverbrauch für die Bordinstrumente.  Beim Erreichen der Minimalhöhe wurden die Triebwerk wieder angeschaltet und aus der Batterie, die über Tag durch die Solarzellen aufgeladen wurde,  bis zum Sonnenaufgang versorgt.


Flug auch bei Nacht. Foto: Solar Impulse/Ross

Die Landungen in den einzelnen Etappenorten waren häufig fliegerisch sehr anspruchsvoll. Die Flächenbelastung ist mit 9 kg/m² sehr gering und es gibt enge Tolleranzen für Roll- und Schiebewinkel während des Fluges und für den Seitenwind bei Start und Landung.

Das Flugzeug hat ein einziehbares Zentralfahrwerk, 2 seitlich einklappbare Stützräder und einen Hecksporn. Diese werden beide über eine Feder in der Geradeausstellung gehalten, können aber bei einer Schiebelandung (mit Seitenwind) automatisch bei Bodenberührung bis zu 30 ° ausgelenkt werden. Dadurch wird sichergestellt, dass der Flügel ohne Rollwinkel in der Horizontalen bleiben kann und die große Spannweite nicht zu einer Bodenberührung des Außenflügels führt.


Größenvergleich mit Jumbo Jet. Foto: Solar Impulse/Ross

Nach Ende einer Testphase in Payern und in Abu Dhabi begann im März 2015 die eigentliche Weltumrundung über Indien, Myanmar nach China. Von dort sollte es in einem Direktflug nach Hawaii gehen. Unter Berücksichtigung des Wetters sollte der Flug 6-7 Tage dauern. Der Flug musste aber nach 1 ½ Tagen abgebrochen werden, da sich das Wetter ungünstig entwickelt hatte. Deswegen erfolgte ein ungeplanter Stopp in Nagoya, Japan. Nach einem längeren Warten auf gutes Wetter, während der auch noch einige Reparaturen durchgeführt wurden, konnte der Flug von Nagoya nach Hawaii durch geführt werden.


Transport nach Abu Dhabi, Januar 2015. Foto Solar Impulse/Ross

Der Pilot Andre Borschberg hat diesen  5-Tage Flug (~7000 km) unbeschadet überstanden. Er trug einen Wärmeanzug, nur die Handschuhe und Fußsolen konnten elektrisch beheizt werden; denn das normale Solar Impulse 2 Tagesprofil geht bis in Höhen von 8500 m,  d.h. ab 3000 m  mit Sauerstoff. Die Temperatur in der Kabine variert dabei zwischen -2o° und +35° C.

Bei diesem Flug wurden allerdings wegen einer zu hohen Temperatur die Batterien so stark beschädigt, dass sie erneuert werden mussten.  Die Fertigung der neuen Batterien und einer Kühlanlage, deren Einbau und Erprobung in Flugtests führte zu einem Zusatzaufenthalt in Hawaii von 9 Monaten. Erst nach Freigabe durch die Schweizer Luftfahrtbehörde konnte dann im Frühjahr 2016 der Flug von dort nach San Francisco, New York nach Europa fortgesetzt werden und endete im Juli 2016 am Startpunkt in Abu Dhabi.

Herr Ross zeigte eine ganze Reihe von Fotos im Flug und am Boden und beachtenswert war z.B. der nächtliche Überflug der Freiheitsstatue in New York mit den eingeschalteten Leuchten in der Flügelvorderkante über seine ganze Länge und im Rumpf.


Nachts über New York City. Foto: Solar Impulse/Ross

Der Schweizer Abenteurer Bertrand Piccard und Andre Borschberg haben dieses einmalige Projekt in insgesamt 17 Etappen  nach knapp 510 Flugstunden und mehr als 40 000 km mit einem neuen Streckenweltrekord (und einer Reihe von anderen Weltrekorden) für Solarflugzeuge mit einem großen Team, -darunter Hannes Ross- erfolgreich beendet. Das Flugzeug flog dabei ausschließlich mit Solarenergie.


Foto: Solar Impulse/Ross

Fazit

Das Ziel des Solarimpuls Programmes und dieses historischen Flugs war es, einer breiten Öffentlichkeit deutlich zu machen, dass es schon heute viele Möglichkeiten gibt, Energie einzusparen und ebenso mit Solarenergie auch neuartige Treibstoffe/Antriebsarten für Transportsysteme zu entwickeln:
Wenn man allein mit Solarenergie um die Welt fliegen kann – dann kann man auf der Erde noch viel mehr damit machen!
Fossile Brennstofe erzeugen schädliche Abgase und –vor allem- sie sind endlich!!!
Schon lange fahren Automobile vollelektrisch oder mit Hybridantrieb. Und auch schon
heute fliegen kleine Sportflugzeuge elektrisch und bei Segelflugzeuge setzt sich die leise Heimkehrhilfe immer mehr durch.
Natürlich wird es noch einige Zeit dauern , bis auch größere Transportflugzeuge mit Elektroantrieb fliegen werden. Die Energiespeicherung ist dabei die größte Herausforderung.


Foto: Solar Impulse/Ross

Aber als 1903 die Gebrüder Wright ihre ersten Hüpfer machten, konnte sich auch niemand vorstellen, dass 50 Jahre später eine Atlantiküberquerung mit einem Strahlflugzeug nur noch 7 Stunden dauern würde.
Wir müssen „nur“ unsere (Umwelt) Probleme erkennen und die heutigen Möglichkeiten nutzen und saubere Energiequellen und Speichermöglichleiten erschließen und entwickeln.


Sektionsleiter Heinz Gerrits (links) bedankt sich beim Vortragenden Hannes Ross.

Daten & Fakten

Gründung: 19.09.1984
Stand 2016:  1.187 Mitglieder

Kontakt

Geschäftsstelle
Freundeskreis Luftwaffe e.V.
Wahn 504/10
Postfach 906110
51127 Köln

Telefon: +49 (0) 2203 - 64815
Telefax: +49 (0) 2203 - 800397
Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

In Ihrer Nähe

Sektion Berlin
Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
Sektion Nörvenich
Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
Sektion Dresden
Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
Sektion München
Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
Nach oben