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Deutsche Spezialisten in der UdSSR von 1946-1956 – Entführung oder immaterielle Reparation?

Autor: Rainer Appelt, Leiter Sektion Dresden

Zu diesem Thema referierte am 9. Juni 2016 in der Sektion Dresden Herr Dipl.-Ing (FH) Konrad Eulitz. Der Referent, Sohn des Johannes Eulitz, hat selbst mit der Familie fünf Jahre in Podberesje/UdSSR verbracht, behandelt dieses Nachkriegsthema aus historischer, wissenschaftlich-technischer und menschlicher Sicht. Es ist ein Thema, welches in letzter Zeit in Vergessenheit geraten und/oder nicht bekannt ist.

Am 22. Oktober 1946 wurden auf der Grundlage des streng geheimen Befehles des Ministeriums für Luftfahrtindustrie der UdSSR Nr. 228 vom 19. April 1946 ca. 1.400 Spezialisten mit ihren Familienangehörigen in die Sowjetunion zwangsumgesiedelt. Als Basis dieses Schrittes diente der Sowjetunion sowohl das Potsdamer Abkommen vom 2.8.1945 als auch das Pariser Reparationsabkommen vom 14.1.1946. Diese Abkommen sahen vor, dass die Siegermächte vom besiegten Deutschland Reparationsleistungen materieller und immaterieller Art (dazu zählten: Nutzung wissenschaftlicher Leistungen wie Patente/Berechnungen/Konstruktionen aber auch die Inanspruchnahme von Wissenschaftler, Ingenieure etc.) forderten. In einer Nacht- und Nebelaktion wurden die deutschen Spezialisten am 22. Oktober 1946 frühmorgens aus dem Schlaf gerissen und aufgefordert, den Abtransport ihrer Familie nebst Sachgütern vorzubereiten. Die Irrfahrt des Zuges dauerte ca. 14 Tage und endete im ca. 2.900 km entfernten Podberesje (ca. 120 km nördlich von Moskau).


Bild 1: Wohnhaus deutscher Spezialisten in Podberesje, Quelle Motsch/Eulitz

Hier bezogen die Familien der deutschen Spezialisten vorbereitete Häuser (s. Bild Nr. 1/2) und arbeiteten fortan in Sonderkonstruktionsbüros, sogenannte OKB`s, an den verschiedensten Projekten wie Ju 287, EF 131/132, 140, 150 (aus diesem Flugzeugtyp wurde das erste deutsche TL-Verkehrsflugzeug 152 in der DDR entwickelt, gebaut und erprobt).


Bild 2: Familie Eulitz in Podberesje, Quelle Eulitz

Johannes Eulitz arbeitete im OKB 2 an der Weiterentwicklung des Überschall-Versuchsflugzeuges DFS 346 von Siebel/Halle (s. Bild 3). Die Lebensverhältnisse in der SU waren gegenüber der SBZ/DDR als gut zu bezeichnen. Im Dorf Podberesje lebten die normalen Sowjetbürger in großer Not, was unweigerlich zu großen sozialen Spannungen führte. Die größte psychische Belastung für die Familien stellte jedoch die jahrelange Ungewissheit über die Rückkehr in die Heimat dar.

Deutschland zählte 1945 zu den führenden Nationen in der Luftfahrtforschung und-industrie. Ausdruck dessen waren beispielsweise die Entwicklung und der Kampfeinsatz von Turbinenluftstrahl- und Raketenflugzeugen (Me 262, Me 163, Ar 234, He 162 u.a.) sowie die Entwicklung fortschrittlicher Luftfahrttechnologien (TL- und PTL Triebwerke, Pfeilflügel nach Busemann, Schleudersitz, Autopilot etc.). Den Stand der Raketentechnik symbolisierte die welterste ballistische Fernrakete, das Aggregat A4.


Bild 3: Das Überschall-Versuchsraketenflugzeug 346 unter der Tragfläche an einer sowjetischen B-29 hängend, Quelle Wiki

Diese Technik war natürlich bei den Siegermächten USA, England, Frankreich und UdSSR sehr begehrt und führte zu einem Technologietransfer im großen Stil. Auf dem Gebiet der SBZ/später DDR war eine überproportionale Dichte der deutschen Luftfahrtindustrie (Heinkel, Arado, Dornier, Junkers, BMW, Siebel, Argus u.a.) vorhanden. Die komplette Demontage der Rüstungsindustrie und weiterer Industriezweige führte zu einer Deindustriealisierung und schwächte das Land nachhaltig.

Der interessante Vortrag von Konrad Eulitz führte zu einer realistischen und individuellen Betrachtung dieses Kapitels deutscher Luftfahrt-Nachkriegsgeschichte. Die Deportation der deutschen Spezialisten war sowohl Entführung als auch Reparation. Obwohl die deutschen Luftfahrtspezialisten „nur“ an der Entwicklung/Konstruktion bahnbrechender Flugzeuge arbeiteten (eine direkte Teilnahme an der Erprobung war ihnen untersagt) leisteten sie nach Aussage des russischen Autors D. A. Sobolew (Zitat) „Wenn man allerdings über den Einfluß deutscher Erfahrungen und Erkenntnisse auf die Entwicklung der strahlgetriebenen Luftfahrt in der UdSSR insgesamt urteilen will, so muß gesagt werden, daß dieser bedeutend und fruchtbar war.“

Kurzvita von Oberingenieur Johannes Eulitz (1912-1966)
Von 1934-1940 arbeitete Johannes Eulitz bei Heinkel in Rostock unter S. Günther und Helmholtz und
leitete ab 1939 die Inbetriebnahme des Hochgeschwindigkeitswindkanales. Im Jahr 1940
wechselte Eulitz zu Arado in Warnemünde und Brandenburg (ab 1943) und war für den
Entwurf, Konstruktion, Bau und Erprobung des ersten deutschen „korrekturfreien
Windkanales“ mit einer Fläche von 3x4 m verantwortlich. Ab Januar bis zum 22. Oktober 1946
arbeitete Eulitz unter sowjetischer Leitung im Hallenser Siebelflugzeugwerk am Projekt DFS
346 und setzte diese Tätigkeit im OKB 2-Siebel als Gruppenleiter Aerodynamik in Podberesje
fort.

Daten & Fakten

Gründung: 19.09.1984
Stand 2016:  1.187 Mitglieder

Kontakt

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Wahn 504/10
Postfach 906110
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