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Dresden: Bericht über das Luftwaffenmuseum Gatow

 

 

 

Luftwaffenmuseum Gatow - immer ein Besuch wert

 

Die Sonderausstellungen „50 Jahre Serienproduktion MiG 21" und „50 Jahre Luftwaffe der Bundeswehr 1956-2006" waren Anlass, dass sich 15 Mitglieder und Gäste der Ansprechstelle Dresden in Gatow trafen. Dabei erfuhren wir eine besondere Unterstützung: der Leiter der FKLw Sektion Berlin, Günther Hoffmann, führte uns persönlich durch die Ausstellung. Es war erkennbar und sehr wertvoll, von einem luftfahrtkompetenten und mit viel Hintergrundwissen ausgestatteten Fachmann begleitet zu werden.

Das Luftwaffenmuseum Berlin-Gatow, seit 1. Juli 2010 mit neuer Bezeichnung "Militärhistorisches Museum Dresden, Außenstelle Gatow" aufwartend, bietet Luftfahrtgeschichte von 1884 bis in die Neuzeit. Die zeitlichen Epochen, dargeboten in der alten Halle III, sind in folgende Zeit-Abschnitte untergliedert:

  • 1884-1913
    Mit der Entstehung und Entwicklung der Fliegertruppen im Kaiserlichen Heer: In diesem Zeitraum entfallen die Aufstellung des ersten preußischen Ballon-Detachement in Tegel und die von Luftschifferbataillonen, die Bildung der ersten Militärfliegerschule in Döberitz sowie die Etatisierung der Fliegertruppen. Zeitzeugen stellen dabei in der Halle III ein Ballonfahrer sowie das Modell des Luftschiffes LS 2 (Schütt-Lanz) sowie die Rumpler-Taube (1910) dar.

  • 1914-1918
    In diesem Abschnitt entwickelten sich die Fliegertruppen des Kaiserheeres im weiteren Kriegsverlauf des 1. Weltkrieges zu spezialisierten Aufklärungs-, Jagd-, Schlacht- und Kampfverbänden. Die Flugzeuge durchliefen dabei eine schnelle technische Entwicklung, die unterschiedlichste Aufgaben immer besser erfüllen konnten. Vertreter dieser Zeit sind solche ausgestellten Nachbauten wie die Jagdflugzeuge Fokker E-III(1915), Dr. I(1917) und D VII (1918), Junkers J9/D-1 (1917, erstes Ganzmetalljagdflugzeug der Welt) sowie Siemens-Schuckert D III (1918) u.a.

  • 1920-1933
    Durch den Versailler Vertrag war eine zivile Luftfahrt, das Bestehen einer Luftwaffe sowie das Herstellen von Flugzeugen verboten. Neben militärischen Maßnahmen der Reichswehrführung war der Rapallo Vertrag zwischen Deutschland und der Sowjetunion über die Ausbildung von Fliegern sowie der Erprobung von fliegendem Luftfahrtgerät die Grundlage für eine geheime Aufrüstung in Deutschland.

  • 1933-1939-1945
    Die Verbotsbestimmungen des Versailler Vertrages bestanden weiterhin. Deshalb erfolgte der weitere Aufbau der deutschen Luftwaffe unter strengster Geheimhaltung. Als Tarneinrichtung wurde deshalb für die Zusammenfassung aller fliegerischen Organisationen 1933 der "Deutsche Luftsportverband" DLV gegründet. Mit der Überführung des Luftschutzamtes in das neugegründete Reichsluftfahrtministerium RLM kann man vor der Geburtsstunde der „Neuen Luftwaffe" sprechen. Offiziell trat die Reichsluftwaffe mit dem Erlaß des Führers und Reichs-kanzlers vom 26. Februar 1935 als dritter Wehrmachtsteil neben dem Reichsheer und Reichsmarine in Erscheinung. Die Folgezeit bis 1939 war gekennzeichnet durch umfangreiche Maßnahmen zur personellen, strukturellen, wirtschaftlichen, technischen, wissenschaftlichen und ideologischen Aufrüstung. Mit dem Überfall am 1.9.1939 auf Polen begann der II. Weltkrieg, der in der Kriegsführung und in den Kriegsfolgen bisher Geschehenes in den Schatten stellte. Dies war auch deshalb nur möglich, da das eingesetzte Luftkriegsgerät eine enorme Entwicklung der Kampfkraft genommen hatte und zum Kriegsende durch die ersten einsatzfähigen Strahlflugzeuge die Ära des Überschallzeitalter bereits vorbereitet wurde. Ausgestellte Flugzeugtypen wie der Schulgleiter SG 38, der Fieseler Storch Fi 156, eine Bf 109 G (Rückbau aus einer Hispano Ha 1112), der Lastensegler DFS 230, dem ersten einsatzfähigen Raketenjäger der Welt Me 163 „Komet" des JG 400 u.a sind technische Zeitzeugen dieser Epoche.

  • 1945-1990
    In die Nachkriegszeit fällt neben einer deutschen Zweistaatlichkeit der Wiederaufbau auch zweier deutscher Luftstreitkräfte, die in unterschiedliche Militärblöcke NATO (BRD) und Warschauer Pakt (DDR) integriert waren. Diesem spannenden Thema widmet sich die Ausstellung „50 Jahre Luftwaffe der Bundeswehr" in der neuen Halle VII. Es ist sehr gut gelungen, neben den fünf Zeitabschnitten „Sicherheit im Kalten Krieg" (1945-1955), „Massive Vergeltung" (1956-1969), „Flexible Antwort" (1969-1989), „Bundeswehr im Wiedervereinigungsprozess" (ab 1989), „Eine Armee im Einsatz" (1989-2005) auch den Aufbau der Luftwaffe in der BRD bzw. der Luftstreitkräfte in der DDR an Hand einzelner Flugzeugtypen zu dokumentieren.
    Dabei wurden die Einsatzmuster als „Gegenspieler" auch so räumlich platziert (z.B. NA Harvard/Jak 11, F-86/MiG 15 UTI, Starfighter F-104/MiG 21 u.a.) und können aus nächster Nähe betrachtet werden. Einen besonderen historischen Wert stellt jedoch die MiG 29 A mit der Bw-Kennung 29+03 (ex NVA 615) dar. Dieser moderne russische Kampfjet der 4. Generation, einst ein gut behütetes Geheimnis sowjetischer Kampftechnik, wurde als einziges NVA-Waffensystem (20 Einsitzer MiG 29 A und 4 Doppelsitzer MiG 29 UB des JG 3 aus Preschen/Lausitz) nach der Wiedervereinigung für einen begrenzten Zeitraum von 12 Jahren (1991-2003) in die Luftwaffe der Bundeswehr integriert.

In unmittelbarer Nähe der Halle III ist ein besonders technisch interessantes Exponat aufgebaut: Der Starfighter F-104 DB+127 auf einem „ZELL-Startgestell" aus den Erprobungsjahren 1965/66 in Lechfeld (Zell bedeutet Zero Length Launch, d.h. Nullstart). Mittels Zusatz-Raketenbooster mit einem Schub von 28.000 kp und voller Triebwerksleistung mit Nachbrenner startete die F-104 unter einem Winkel von 20° aus dem Startgestell und beschleunigte innerhalb von 8 Sekunden auf 500 km/h.

 

Ein weiterer Schwerpunkt unseres Besuches war die Sonderausstellung „50 Jahre Serienproduktion MiG 21". Dieses Muster hat wie kein anderes Flugzeug die Zeit des „Kalten Krieges" mitgeprägt. Seit dem Serienbeginn der Mikojan/Gurewitsch MiG 21 F-13 im Jahr 1959 wurden insgesamt ca. 14.000 Maschinen gebaut. Mit 50 Einsatzländern auf vier Kontinenten ist die MiG 21 somit der meistgebaute Militärjet der Welt. In den Ausstellungshallen des Museums sind unterschiedliche Versionen vorhanden. Vor der Halle III ist das erste Seriemodell, die MiG 21 F-13 (ex NVA „Rote 645") aufgestellt.

Zum Abschluss erhielt Günther Hoffmann ein Erinnerungsgeschenk vom Leiter Rainer Appelt der Ansprechstelle Dresden überreicht. Die Besucher waren sich einig, einen sehr interessanten und informativen Tag im Luftwaffenmuseum erlebt zu haben.

 

Rainer Appelt

 

Bilder

 

01_Ballonfahrer

 

02_Rumpler_Taube

03_Fokker_E_III

04_Fokker_Dr._1

05_Fokker_D_VII

06_Junkers_J9

07_Siemens-Schuckert_DI

08_SG_38_mit_Hitlerjunge

09_Lastensegler_DFS_230_A

10_Me_163

11_NA_Harvard

13_F-104

14_MiG_29_2903_ex_NVA_615

15_F-104_auf_-ZELL-Startgestell

16_MiG_21_F-13

17_Geschenkuberreichung