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Vortrag von Generalleutnant a.D. Günther Rall

Vortragsveranstaltung des Freundeskreises Luftwaffe München in Fürstenfeldbruck
"Erinnerungen" von Generalleutnant a.D. Günther Rall



Dem Freundeskreis Luftwaffe, Ansprechstelle München, gelang mit der Einladung von
Generalleutnant a.D. Günther Rall ein "Highlight" in seiner Veranstaltungsreihe.


Generalleutnant Rall, Jahrgang 1918, war mit 275 Luftsiegen einer der erfolgreichsten
Jagdflieger des 2. Weltkrieges. In der Bundeswehr führte ihn eine unvergleichlich
erfolgreiche Kariere bis an die Spitze der Luftwaffe - zuletzt als Inspekteur der Luftwaffe.

Nach der Begrüßung durch Brigadegeneral Wolfgang Baltes, den Stv. Kommandeur der
1. Luftwaffendivision, schilderte General Rall vor 50 Teilnehmern in packender lebendiger
und präsenter Art seine Lebenserinnerungen. Dabei wies er gleich zu Beginn seiner rund
zwei Stunden dauernden Ausführungen darauf hin, daß es ihm nicht um eine Selbstdar-
stellung ginge, sondern um ein Zeitzeugnis für die Nachkommen. Er wolle zeigen, wie es
damals war.

Er berichtete von seiner Jugend im 3. Reich, von seinem Eintritt in die Luftwaffe und den
ersten Erfahrungen in dieser neuen Welt. Schon im Alter von 22 Jahren war er Staffelchef
und wurde von seinen Leuten "der Alte" genannt.

Seinen ersten Feindeinsatz erlebte er in Frankreich. Er traf dort auf einen kompetenten und
gut ausgerüsteten Gegner. Seinen ersten Abschuß - eine amerikanische Curtis P 36 - erzielte
er am 18. Mai 1940 bei Metz. Seine Me-109 wurde dabei mehrfach getroffen, so daß sein erster
Luftkampf zwar erfolgreich, aber auch eine immerwährende Warnung für ihn bedeutete.

Danach wurde er 1941 nach Rumänien zur Sicherung der Ölfelder versetzt und erlebte von dort
aus auch den kurzfristigen und verlusteichen Einsatz in Kreta. Die Folgejahre war er in der
Ukraine bis hin zum Kaukasus im Fronteinsatz.Unglaublich für die heutige Zeit sind die über
40 Verlegungen seines Verbandes mit primitivsten Mitteln, aber hoher Flexibilität.

Am 28. November 1941 wurde er zwischen Taganrog und Rostov bei -40 C von russischen
Jägern abgeschossen. Er machte eine Notlandung in Frontnähe in welligem Gelände und
wurde dabei schwer verletzt. Eine deutsche Panzerbesatzung rettete ihn. Einer der vielen
namenlosen Helden, ein junger Gefreiter, sprach die ganze Nacht im eiskalten Notlazarett
mit ihm und rettete ihm damit sein Leben. In sehr bewegten Worten schilderte der General
dies für ihn lebensrettende Erlebnis.

Zur Nachbehandlung kam er nach Wien, wo er seine spätere Frau - eine Ärztin - kennenlernte.
Sein Arzt verkündete ihm damals: " Herr Rall, das mit der Fliegerei können Sie vergessen".
Günther Rall mochte das allerdings nicht akzeptieren. Andere hätten nach diesen Verletzungen
und den Ostfronteinsätzen ein Heimatkommando angestrebt; er bevorzugte es, wieder in seine
"Familie", das JG 52, zurückzukehren. Danach war er den gesamten Krieg immer an der Front
im Einsatz.

Interessant waren natürlich auch seine Schilderungen der zwei Begegnungen mit Hitler vor und
nach Stalingrad und der makabren Geburtstagsfeiern bei Göring in Karinhall.

Ganz anderer Art waren seine Ausführungen über Vergleichsfliegen mit Beutemaschinen, wie
P-51 Mustang, P-47 Thunderbolt, Spitfire und P-38. Ganz am Ende des Krieges flog er auch
noch die neue Me-262, die zwar neue Maßstäbe setzte, aber viel zu spät kam. Selbst mit
dieser Maschine war man gegen die Pulks von bis zu 800 Bombern mit Hunderten von
Begleitjägern chancenlos.

1956 folgte er dem Ruf zur neuen Luftwaffe. Über die F-84 und den Starfighter F-104 G als
Projektoffizier, Testpilot und Geschwaderkommodore qualifizierte er sich für höhere Aufgaben.
In seiner Zeit als Inspekteur war er an der Bewältigung der Starfighterkrise maßgeblich
beteiligt. 1975 endete seine unglaublich engagierte und erfolgreiche fliegerische Laufbahn
als hoher NATO- General.


Nach dem Vortrag und der Frage- und Antwortphase dankte Herr Josef Voggenreiter aus
Niederalteich dem General mit der Übergabe eines Edelstahlreliefs der Me-109 Nr. 13.
Herr Gerrits übergab nach langem Applaus der Zuhörer die Ehrenuhr des Freundeskreises
Luftwaffe im Namen des Präsidenten, Generalmajor a.D. Botho Engelien.

Im Anschluß signierte General Rall geduldig eine Vielzahl seines Buches "Mein Flugbuch",
was unter www.meinflugbuch.de oder unter ISNB 3-9807935-3-2, bzw. 3-9807935-4-0
für die handsignierte Ausgabe, in jeder Buchhandlung bestellt werden kann.

So endete ein denkwürdiger Abend in Fürsty mit einem außergewöhnlichen Flieger,
Menschen und Zeitzeugen.