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Dübendorf 2004

 

Am Freitag, dem Dreizehnten, in Dübendorf!

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Am 13. August 2004 besuchten 44 Mitglieder des Freundeskreises den Flugplatz Dübendorf. Frühmorgens um 0915 Uhr, noch bei wolkenverhangenem Himmel, konnte der Schreibende die illustren Gäste aus allen Teilen Deutschlands begrüssen und über den Tagesablauf informieren. Die geschichtliche Entwicklung der Region um den Flugplatz Dübendorf, unter besonderer Berücksichtigung der Schweizer Militäraviatik als Sicherungsinstrument der Neutralität war anschliessend Thema des unter freiem Himmel gehaltenen Vortrags.

Gegenwärtig sorgen sechs über die ganze Schweiz verteilte Betriebe der Luftwaffe (BLW) mit rund 1050 hoch motivierten MitarbeiterInnen im Einsatz das ganze Jahr über für Unterhalt und Betrieb sämtlicher Mittel der Flugzeuge und Infrastrukturanlagen der Schweizer Luftwaffe. Auf dem ältesten Militärflugplatz der Schweiz, in Dübendorf werden in den Bereichen Direktion, Nutzungs- und Ressourcensteuerung die zentralen Funktionen wahrgenommen. Das BLW leistet auch einen wichtigen Beitrag zur Förderung von beruflichem Nachwuchs; zurzeit werden schweizweit 75 Lehrlinge ausgebildet.

Das Truppenausbildungszentrum, die Theodor Real Kaserne, benannt nach dem ersten Kommandanten der damaligen Fliegertruppen, die Sportanlage Dürrbach und die Schiessanlage Stigenhof bilden die Hauptinfrastruktur des Waffenplatzes Dübendorf. Im Truppenausbildungszentrum Luftwaffe, das in die Ausbildungsregion 4 integriert ist, finden zur Hauptsache die Offiziersschulen der Luftwaffe und die Rekruten- und Unteroffiziersschulen der Luftwaffen Nachrichten- und Uebermittlungstruppen statt. Zusätzliche werden diverse Kurse der Luftwaffe wie auch der grossen Verbände des Heeres durchgeführt.


Der nächste Programmpunkt bildete der Besuch der neuen REGA-Basis Dübendorf ( REGA = Rescue Gardienne; Schweizerische Rettungsflugwacht). Je hälftig besichtigten die in zwei Gruppen aufgeteilten Gäste die Tonbildschau und den Hangar mit dem neuen Hubschrauber EC-145.

Was 1952 mit einer kleinen Gruppe von Pionieren begann, ist während 50 Jahren zu einer professionellen Organisation mit rund 270 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern geworden. Die Geburtsstunde der REGA war am 27. April 1952. Der Mediziner Dr. Rudolf Bucher wollte innerhalb der Schweizerischen Lebensrettungsgesellschaft SLRG einen Zweig schaffen, der auf die Rettung aus der Luft spezialisiert war. Zuerst liess die Rettungsflugwacht Fallschirmspringer in England ausbilden. Diese sprangen mit Rettungsmaterial oder gar mit Lawinenhunden aus Flugzeugen zu den Verletzten in unwegsamem Gelände. Doch schon im selben Jahr montierte man erstmals einem Ballonkorb unter einen Helikopter, um Retter und gerettete Personen transportieren zu können. Es waren die weltweit ersten Helikoptertransporte mit Unterlast.

1960 wurde die Rettungsflugwacht von der SLRG losgelöst und unter Dr. Fritz Bühler neu organisiert. Schritt für Schritt entwickelte man neue Rettungstechniken, die der REGA die Anerkennung in- und ausländischer Fachkreise einbrachten. Das Prinzip, die Medizin direkt an die Unfallstelle zu bringen, war damals revolutionär und ist bis heute unbestritten. Ab 1960 erfolgten die ersten Repatriierungsflüge für im Ausland erkrankte Schweizer. Meilensteine gesetzt 1979 beschlossen die Mitglieder des Vereins Schweizerische Rettungsflugwacht die Errichtung der Stiftung Schweizerische Rettungsflugwacht. Sie ist bis heute von staatlichen Finanzmitteln unabhängig. Seit 1981 ist die REGA Korporativmitglied des Schweizerischen Roten Kreuzes und darf das rote Kreuz auf ihren Luftfahrzeugen tragen.

Immer wieder hat die REGA Meilensteine in der Rettungsfliegerei gesetzt. 1973 kaufte sie den weltweit ersten zivilen Ambulanzjet, ein halbes Jahr später nahm sie den ersten Ambulanzhelikopter mit zwei Turbinen in Betrieb. Zwischen 1992 und 1995 wurden 15 neue italienische Agusta-Rettungshelikopter an die REGA ausgeliefert. 2003 ersetzten fünf Eurocopter EC-145 die Agustas vorerst auf den Flachlandbasen. Im August 1997 weihte man am Flughafen Zürich das REGA-Center als neuen Hauptsitz ein. Dort feierte sie am 27. April 2002 auch ihr 50-Jahr-Jubiläum. Heute sind bereits mehr als 1.8 Millionen Schweizerinnen und Schweizer Gönnerinnen und Gönner der REGA.


Nach einem etwas kurzen, schmackhaften Mittagessen im Personalrestaurant der „Flügi“ (Kosename des Dübendorfer Militärflugplatzes) durften wir anschliessend beim obligaten „Check-In“ der F-5 und F-18 Piloten hautnah und selbstverständlich fotografierend dabeisein. Unter der Ägide des bewährten Führerteams von BLW-Mitarbeiter Peter Sieber, wurden danach drei Besuchergruppen für die zu besuchenden Teile der Wartungs-/und Ausrüstungsabteilungen gebildet. Ohne Zeitdruck durfte man die Top-qualifizierten „Löcher in den Bauch fragen“ und so manches interessante Detail erfahren. Mit „Bayrischen Spezialitäten“ (Münchner-Bier und Weisswurst in stilechter Blauweisskaro-Tragtasche) und einem kräftigen Applaus, wurden die „Sieberschen Bemühungen“ durch die Freundeskreis-Gruppe verdankt.


Am späteren Nachmittag wechselten wir in den nördlichen Teil des Flugplatzgeländes. Als Novum durften wir erstmals das sogenannten Überwachungsgeschwader der Schweizer Luftwaffe besichtigen. Hauptmann Dähler, Kommandant-Stellvertreter der Fliegerstaffel 11, begrüsste uns zur interessanten Führung durch das historischen Gebäude der ehemaligen SWISSAIR, das in den Dreissigerjahren des vergangenen Jahrhunderts erbaut worden war. In seinem Vortrag über das UeG berichtete er über die Geschichte und den Auftrag dieser besonderen Abteilung der Luftwaffe:

Am 28. August 1939, wenige Tage vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs wurden die Flieger- und Fliegerabwehrtruppen mobilisiert. Den 21 eingerückten Staffeln standen viel zu wenig einsatzbereite Flugzeuge zur Verfügung, so dass fünf Staffeln wieder demobilisieren mussten. Um jederzeit einsatzbereite Luftstreitkräfte zur Wahrung der Neutralität zur Verfügung zu haben, beschloss der Schweizerische Bundesrat am 4. April 1941 die Schaffung des Ueberwachungsgeschwaders (UeG). Unter dem Kommando von Oberst Rihner wurden nacheinander in drei Gruppen Piloten, Beobachter und Radio- Mitrailleure ausgebildet und zu einem Kampfverband zusammengeführt.

Die drei UeG-Staffeln waren zu dieser Zeit mit dem in Schweizer Lizenz hergestellten Flugzeugmuster Morane D-3801 und dem Schweizer Eigenbau C-3603 ausgerüstet. Bis zum Kriegsende wurden vom UeG in 135 Einsätzen 31 abgefangene Bomber zur Landung geführt. Einige gegnerische Flugzeuge mussten sogar in Notwehr abgeschossen werden. Auf Anraten des Oberkommandierenden der Schweizer Armee, General Guisan liess der Bundesrat das UeG nach Kriegsende weiter bestehen und auf vier Staffeln erweitern.

Bald wurden die ersten Düsenkampfflugzeuge, die Englischen Vampire beschafft. Ein allgemeiner Aufschwung der Fliegerei brachte für das UeG neben leistungsfähigerem Flugmaterial wie Venom und Hunter auch neue Einsatzverfahren und Waffen. 1966 begann eine neue Ära mit dem Überschallflugzeug Mirage. Es war das erste Kampfflugzeug, das in der Nacht und in den Wolken Waffen einsetzen konnte.

Ab 1953 wurden für Transportaufgaben amerikanische Helikopter vom Typ Hiller eingesetzt. Auch diese Sparte machte eine stetige Entwicklung durch und es wurden in unzähligen Einsätzen viele wichtige Transporte und Rettungseinsätze durchgeführt. Die französische Alouette III und die neuen Eurocopter-Cougar haben sich im täglichen Einsatz bis zum heutigen Tag bestens bewährt.

Seit vielen Jahren wird mit befreundeten Luftwaffen in den Bereichen Ausbildung und Training zusammengearbeitet. Das Luftkampf-Training im Überschallbereich findet in jährlich wiederkehrenden Kampagnen über der Nordsee statt. Dort steht für die Führung und Auswertung der Luftkämpfe eine moderne Computeranlage zur Verfügung. Auch die Ausbildung der Helikopterpiloten findet vermehrt in Zusammenarbeit mit ausländischen Luftwaffen statt, wobei jeder von den Erfahrungen des andern lernen kann.

Im Juni 1993 hatte das Schweizervolk in einer vielbeachteten und stark frequentierten Volksabstimmung beschlossen, ein neues Kampfflugzeug zu beschaffen. Seit Oktober 1996 bildet der in der Schweiz endmontierte amerikanische F/A-18 die Hauptstütze der Jet-Flotte.

Der Luftwaffen-Film mit letzten, schönen Luftkampf-Sequenzen der legendären Mirage und die nachfolgende, lockere Fragerunde, sowie das Abschlussfoto unter dem Hunter-Memorial, bildeten den Abschluss des für einige etwas anstrengenden Besuchstages. In bester Erinnerung blieb mir danach die Bemerkung eines Teilnehmers: „Normalerweise erlebe ich DEUTSCHE-LUFTWAFFE ZUM ANFASSEN, jetzt erlebe ich sogar SCHWEIZER-LUFTWAFFE ZUM MITNEHMEN, so spannend war der heutige Tag!